Schweden verteidigt seinen Sonderweg

Chef der Gesundheitsbehörde wendet sich gegen Verbote. Das öffentliche Leben läuft fast normal.
Schweden geht einen Sonderweg in der Coronakrise. Statt mit Verboten arbeitet das Land vor allem mit Empfehlungen. Fast alles war auch am Wochenende geöffnet. In Einkaufszentren, Bars und Cafés tummelten sich die Gäste. Auch wenn es weniger waren, kann man nicht von leerstehenden Anlagen sprechen. Kindergärten und Grundschulen bis einschließlich neunter Klasse bleiben offen. Gymnasien und Hochschulen wurde lediglich empfohlen, den Unterricht ins Internet zu verlegen. Die sind der Empfehlung fast alle gefolgt. Auch Reisen sind weiter erlaubt, die Osterferien stehen ja an. Die Grenzen bleiben offen. Bei öffentlichen Menschenansammlungen liegt das Limit seit Sonntag allerdings bei 50 Personen. Davor waren es 500.

Der Chef der Volksgesundheitsbehörde, Johan Carlson, hat den schwedischen Sonderweg jetzt ausdrücklich bekräftigt. Die Situation im Land sei stabil, in Stockholm und Göteborg sei die Lage lediglich etwas „angestrengter“. Ob das Maximum der Epidemie erreicht sei, könne man aber noch nicht sagen.

Im übrigen sieht Carlson die Unterschiede etwa zu Deutschland oder Frankreich im Praktischen gar nicht so groß. Auch wenn die anderen sagten, dass sie alles zumachen, gebe es doch viele Ausnahmen. Es gehe darum, Risikogruppen zu schützen und dass Menschen mit Symptomen zu Hause blieben. Machen denn Deutschland und Frankreich alles falsch? Dazu Carlos: „Die haben vielleicht ihre eigenen Voraussetzungen, wenn man kein Vertrauen in die eigene Bevölkerung hat.“ Er glaube nicht an Verbote, so Carlson. Wenn man mit Eindämmungsmaßen erfolgreich sein will, dann müssten die auch mehrere Monate halten sollen. Das gehe nur mit Akzeptanz und Verständnis. Der schwedische Weg sei nicht gefährlich. Schweden hat bislang etwa 3000 mit Corona infizierte Personen. 109 sind gestorben. André Anwar
© Südwest Presse 31.03.2020 07:45
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