Schutzschirm statt Frühjahrsgeschäft

Mehrere Tochtergesellschaften des Modekonzerns sind zahlungsunfähig.Die gesamte Branche beklagt Einbußen.
  • Esprit hat Schutzschirm beantragt. Foto: Sven Hoppe/dpa
Dass sich gerade der Großteil der Bevölkerung wegen des Coronavirus zuhause befindet, setzt der Mode-Branche merklich zu. Mit Esprit verkündet nun ein großer Name in Deutschland: Wir halten das nicht durch. Mehrere deutsche Tochtergesellschaften von Esprit sind zahlungsunfähig, wie der Konzern per Mitteilung erklärte.

Man habe Schutzschirmverfahren beantragt, um sich vor Forderungen der Gläubiger zu schützen. Dabei habe ein gerichtlich bestellter Sachverwalter die Aufsicht, während die Unternehmensführung weiterhin die Kontrolle behalten soll. Im Rahmen des Verfahrens sollen Verbindlichkeiten und Mietverträge „neu strukturiert“ werden.

„Dies ist der richtige Schritt für Esprit, da die Coronavirus-Pandemie dramatische Auswirkungen auf unser Geschäft hat“, sagte Esprit-Chef Anders Kristiansen. Um die Gehälter der Mitarbeiter sicherzustellen, sollen nach Angaben des Unternehmens teilweise auch staatliche Hilfsgelder zum Einsatz kommen.

Schon lange vor der Corona-Krise schrieb der Konzern, der in Ratingen sitzt, aber in Hongkong an der Börse notiert ist, rote Zahlen – für das Ende Juni abgeschlossene Geschäftsjahr 2018/2019 zuletzt 2,14 Mrd. Hongkong Dollar (etwa 248 Mio EUR). Zudem sollten im vergangenen Jahr in Deutschland mehrere Hundert Stellen abgebaut und unrentable Filialen geschlossen werden. Zuvor arbeiteten am Sitz in Ratingen mehr als 1100 und in den Filialen rund 1500 Menschen.

Dass viele Marken auch online bestellt werden können, ist für die Branche kein vollständiger Ausgleich. Topmanager aus der Modebranche erwarten durch die Pandemie 2020 Umsatzeinbrüche von bis zu 25 Prozent, wie eine Umfrage der Boston Consulting Group (BCG) ergab. Die Modebranche kommt weltweit BCG zufolge auf einen Umsatz von 1,35 Billionen EUR.

Auch der Warenhauskonzern Galeria Karstadt Kaufhof verhandelt um Staatshilfen, bislang ohne Ergebnis. Ein Großteil der Filialbeschäftigten befindet sich inzwischen in Kurzarbeit. dpa
© Südwest Presse 31.03.2020 07:45
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