Produktion massiv gestört

Drei Viertel der Unternehmen verringern ihre Kapazität. 12 Prozent der Firmen erwägen Personalabbau.
  • Schaufeln einer Wasserturbine von Voith. Foto: Stefan Puchner/dpa
Die Lage der deutschen Maschinenbauer spitzt sich zu. Binnen zwei Wochen ist die Zahl der Unternehmen, deren Produktion massiv beeinträchtigt ist, von 60 auf 84 Prozent gestiegen. Ralph Wiechers, Chef-Volkswirt des Branchenverbandes VDMA: „Fast jeder zweite Betrieb leidet unter gravierenden oder merklichen Störungen entlang der Lieferketten.“

Laut einer Umfrage des Verbandes erwarten 96 Prozent der Unternehmen Umsatzeinbußen. 60 Prozent rechnen mit Einbußen zwischen 10 und 30 Prozent. Drei Viertel der Maschinenbauer haben deshalb begonnen, ihre Kapazität anzupassen. Genutzt werden Arbeitszeitkonten und Kurzarbeit, geplante Einstellungen werden gestoppt. 12 Prozent denken an Personalabbau.

Auch Investitionsvorhaben werden gekürzt. Drei Viertel der Firmen erwägen das – die Hälfte im Umfang von 10 bis 30 Prozent, ein Viertel sogar um die Hälfte.

„Mit der Ausbreitung des Virus nehmen logischerweise auch die Probleme in den Betrieben zu“, sagt Wiechers. „Teile und Komponenten, die vor einigen Wochen in Asien bestellt wurden, sind nicht in den hiesigen Werken angekommen.“ Außerdem könnten auch europäische und deutsche Lieferanten nicht liefern. Das belaste die Produktion. Hinzukommen Schwierigkeiten mit Lieferanten. Italien nennen 75 Protent der Firmen, aber von deutschen und chinesischen Firmen fehlt der Nachschub, sagt jeder zweite Maschinenbauer.

Doch es gibt auch ein positives Zeichen: „Die Lage in China und Südkorea scheint sich leicht zu entspannen“, sagt Wiechers. „Zudem berichten Maschinenbauer über eine signifikante Zunahme der Bestellungen ihrer chinesischen Kunden.“

2019 hatte die deutsche Branche 296 Mrd. EUR Umsatz gemacht (2018: 300 Mrd.). Wegen des Handelskonflikts zwischen den USA und China hatte VDMA-Präsident Carl Martin Welcker für 2020 ein Produktionsminus von 2 Prozent prognostiziert. Mittlerweile geht der Verband von einem Minus von 5 Prozent aus. Rolf Obertreis
© Südwest Presse 31.03.2020 07:45
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