Gewinneinbruch schon vor der Krise

Der Automobilzulieferer spürt die Auswirkungen der Pandemie. Firmenchef Wolf äußert Forderungen für die Zeit danach.
Bestehende Lieferketten zu überdenken und Kaufanreize für alle Autos, auch solche mit Verbrennermotoren, forderte Elring-Klinger-Chef Stefan Wolf beim Bilanzgespräch für die Zeit nach der Corona-Krise. Klimaschutz sei wichtig. „In der jetzigen Situation kann der aber nicht oberste Priorität haben“, sagte Wolf. „Wir müssen zunächst die Wirtschaft wieder zum Laufen bringen.“

Die Beeinträchtigungen seien bereits stark spürbar. Zunächst kann der Zulieferer, der mit Ausnahme der Werke in China und Japan weltweit die Produktion heruntergefahren hat, die aktuelle Situation aber ohne staatliche Hilfen meistern. Finanzchef Thomas Jessulat erklärte: „Wenn die Shut-Down-Periode aber deutlich ins zweite Halbjahr läuft, wird es ohne Hilfen sehr eng.“ Um Kosten zu sparen, sei für alle Standorte in Deutschland Kurzarbeit beantragt. Zudem lasse das Unternehmen befristete Arbeitsverträge auslaufen. „Davon sind etwa 200 Mitarbeiter derzeit betroffen“, sagte Wolf. Insgesamt beschäftigt das Unternehmen knapp 10 400 Mitarbeiter. Eine Prognose für 2020 sei aktuell nicht möglich. „Es ist alles offen.“

Der Weltmarktführer im Bereich Zylinderkopfdichtungen verzeichnete 2019 einen erheblichen Gewinneinbruch. Das Ergebnis vor Zinsen und Steuern sank um 36 Prozent auf 61 Mio. EUR. Unterm Strich blieb ein Gewinn von nur rund 4 Mio. EUR. Anhaltend hohe Rohstoffpreise und die US-amerikanische Zollpolitik seien maßgeblich dafür verantwortlich, sagte Wolf. Hinzugekommen sei ein erheblicher Steueraufwand. Der Umsatz legte dagegen um 1,6 Prozent auf gut 1,7 Mrd. EUR zu. Die Dividende fällt erneut aus. Wolf hat dem Unternehmen einen strikten Spar- und Effizienzkurs auferlegt, der Wirkung zeige. Unter anderem wurden die Investitionen deutlich zurückgefahren. Julia Kling
© Südwest Presse 31.03.2020 07:45
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