Ausweg für Mütter in großer Not

Damit Frauen sich anonym von ihrem Baby trennen können, ohne es zu gefährden, gibt es Babyklappen.
  • Blick auf die Babyklappe in Karlsruhe. Foto: Uli Deck/dp
Etwas versteckt, aber mit öffentlichen Verkehrsmitteln gut erreichbar liegt sie in einem ruhigen Wohngebiet im Karlsruher Stadtteil Neureut: Die erste Babyklappe im Südwesten ist schon fast 19 Jahre alt und befindet sich in einer Nische in einer unscheinbaren Hauswand. Gut ein Jahr nach der bundesweit ersten Einrichtung einer Babyklappe in Hamburg, die am 8. April 20 Jahre alt wird, ging sie an den Start.

Seither wurden in den acht Einrichtungen dieser Art in Baden-Württemberg mehr als 90 Babys abgegeben. Genau 25 Babys wurden am Karlsruher Standort bisher abgelegt. Wenn der Alarm ausgelöst wird, kümmern sich eine Handvoll Ehrenamtliche darum, dass das Baby gleich aus dem gewärmten Bettchen geholt und in die Kinderklinik gebracht wird. Bei vier der Babys meldeten sich die Eltern oder Großeltern. Die anderen wurden adoptiert oder kamen in Pflegefamilien.

Zuschüsse vom Land gibt es für Babyklappen nach Auskunft des Sozialministeriums nicht. Sie finanzieren sich über Spenden, private Gönner, kirchliche Stiftungen oder andere Träger. Die Kosten seien nicht hoch, sagt Carola Strauß, Leiterin des Weraheims in Stuttgart, das ebenfalls eine Babyklappe betreibt. Aus ihrer Sicht gibt es zu wenig Babyklappen im Südwesten: „Die Entfernung zwischen den Standorten ist groß; die Gefahr entdeckt zu werden, für Mütter auf dem Weg dahin hoch.“

Neben den Babyklappen haben Mütter auch die Möglichkeit, in einem Krankenhaus anonym zu gebären, also ohne ihre Personalien preisgeben zu müssen. Immer mehr Beachtung findet laut Sozialpädagogin Ursula Kunz vom Diakonischen Werk Karlsruhe die vertrauliche Geburt. Mutter und Kind werden medizinisch betreut. Die Mutter hinterlegt zudem ihre Personalien. Nur das Kind hat das Recht, diese Informationen über die Mutter später zu bekommen. 2018 machten zehn Mütter von der Möglichkeit der vertraulichen Geburt Gebrauch.

Ein kompletter Ersatz für die Babyklappe sind vertrauliche Geburten aber nicht, meint Strauß. Denn manche Frauen schrecke es ab, dass das Kind später Kontakt aufnehmen könnte. dpa
© Südwest Presse 03.04.2020 07:45
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