Stadt verhängt Ausgangssperre

Blumberg reagiert auf viele Infektionen in einem Ortsteil. Kliniken im Land sollen keine Kranken aus dem Ausland aufnehmen.
Kliniken in Baden-Württemberg sollen vorerst keine weiteren Patienten aus dem Ausland aufnehmen. In einem Schreiben aus dem Sozialministerium an die Kliniken heißt es: „Aufgrund der dynamischen Lageentwicklung in Baden-Württemberg bitten wir Sie, derzeit von weiteren Aufnahmen aus dem Ausland abzusehen.“

Das Schreiben trägt das Datum 24. März. Baden-Württemberg hatte sich kurz davor bereiterklärt, 23 schwerkranke Corona-Patienten aus Frankreich in Kliniken aufzunehmen. Dafür hatte das Gesundheitsministerium die Krankenhäuser im Südwesten gebeten, freie Beatmungsbetten zu melden. Die Kliniken sollten durch die Versorgung der Menschen aber nicht in Nöte geraten. Der Südwesten hat derzeit genügend Beatmungsplätze, nämlich rund 2300. Das südliche Elsass, das an Baden-Württemberg grenzt, ist von der Corona-Pandemie besonders schwer getroffen.

Das gilt auch für den Blumberger Ortsteil Riedböhringen (Schwarzwald-Baar-Kreis). Von den 35 Corona-Infizierten, die aus Blumberg an das Gesundheitsamt gemeldet wurden, stammen 28 aus dem Ortsteil mit 991 Einwohnern. „Ich musste die Notbremse ziehen“, sagt Bürgermeister Markus Keller. Deshalb hat er für den Ortsteil eine Ausgangssperre verhängt. Seines Wissens die erste im Land. Das bedeutet, die Bürger dürfen zur Arbeit nur mit einer Arbeitsbescheinigung, sie dürfen einkaufen, zum Arzt gehen, tanken, Geld abheben, den Hund Gassi führen. „Aber alles nur noch auf Blumberger Gemarkung“, sagt Markus Keller. Das seien „deutliche Einschnitte“.

Polizei kontrolliert

Die Ausgangssperre musste nach Auskunft von Keller auch deshalb sein, weil sich viele Jugendliche im Ort nicht an die Regeln gehalten, sich weiter getroffen hätten. Die Ausgangssperre wird von der Polizei kontrolliert, am Wochenende ist außerdem ein privater Sicherheitsdienst im Einsatz.

Für die hohe Zahl an Infizierten in Riedböhringen „gibt es keine schlüssige Erklärung“, sagt der Bürgermeister. Zwar seien einige Bürger zum Skifahren in Ischgl in Tirol gewesen. Aber die stammten nicht alle aus Riedböhringen.

Das Land Baden-Württemberg hat derweil die Infektionsschutzbestimmungen für Bestattungen geändert. Bei Trauerfeiern unter freiem Himmel gilt nun eine Obergrenze von fünf statt bislang zehn Teilnehmern, doch kann dieser Kreis erweitert werden, teilte das Kultusministerium am Donnerstag mit. Auf jeden Fall dabei sein dürfen Verwandte in gerader Linie, also Eltern, Großeltern, Kinder und Enkelkinder. Auch Menschen, die in häuslicher Gemeinschaft mit den Verwandten leben, dürfen kommen, ebenso deren Partner.

Geistliche oder Trauerredner werden auf die Teilnehmerzahl nicht angerechnet. Bestatter und Helfer zählen ebenfalls nicht, wenn sie mit der Trauergemeinde nicht in Kontakt stehen. Strikt bleiben die Regeln bei Trauungen oder Taufen: Hier sind weiter nicht mehr als fünf Teilnehmer erlaubt. wal/dpa/epd
© Südwest Presse 03.04.2020 07:45
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