Kabinett für Gutscheinlösung bei abgesagten Reisen

Auch Eintrittskarten für Sportveranstaltungen sollen so ersetzt werden. Die EU muss noch zustimmen.
  • Aus dem Flugticket wird ein Gutschein. Foto: Malte Christians/dpa
Bei abgesagten Reisen und Kultur- oder Sportveranstaltungen sollen die Verbraucher nach dem Willen der Bundesregierung Gutscheine statt einer sofortigen Rückzahlung bekommen. Das „Corona-Kabinett“ stimmte am Donnerstag einer entsprechenden Lösung zu, wie aus Regierungskreisen zu erfahren war. Bevor sie umgesetzt werden kann, muss sie allerdings noch von der EU-Kommission abgesegnet werden. Neben Deutschland wollen auf EU-Ebene viele weitere Mitgliedsstaaten ähnlich vorgehen.

Die Gutscheine sollen bis Ende 2021 befristet sein und für alle Tickets gelten, die vor dem 8. März gekauft wurden. Hat der Kunde seinen Gutschein bis Ende 2021 nicht eingelöst, muss der Veranstalter ihm den Wert erstatten. Geplant sind auch Härtefallklauseln für alle Kunden, denen ein Gutschein wegen ihrer finanziellen Situation nicht zumutbar ist.

Eigentlich ist bei abgesagten Pauschalreisen eine Erstattung spätestens nach 14 Tagen Pflicht, bei abgesagten Flügen innerhalb von 7 Tagen. Viele Veranstalter konnten dies zuletzt aber nicht leisten, da die deutsche Reise- und Luftverkehrsbranche stark unter den Einschränkungen infolge der Coronavirus-Krise leidet.

Die Unternehmen hatten eine vorübergehende Aussetzung der Erstattungspflicht gefordert. Ihren Fixkosten stünden praktisch keine Einnahmen gegenüber. Wegen der Ausbreitung des Erregers Sars-CoV-2 seien Tourismus und Luftverkehr fast vollständig zum Erliegen gekommen.

Die Gutscheinlösung soll nicht nur für Flüge und Pauschalreisen, sondern auch etwa bei Tickets für Fußballspiele und Konzerte gelten. Der Tourismusbeauftragte der Bundesregierung, Thomas Bareiß, sprach von einem wichtigen Signal an die Reisebranche, der im Falle von Rückzahlungen erhebliche Liquiditätsengpässe drohen könnten. Verbraucherschützer lehnen die Gutscheinlösung dagegen ab. Die Kunden hätten Vorkassezahlungen in dem Vertrauen geleistet, das Geld bei Absagen zurückzuerhalten, erklärte der Vorstand des Verbraucherzentrale Bundesverbands, Klaus Müller. „Diese sogenannten Gutscheine sind in Wirklichkeit Zwangskredite der Verbraucher an die Unternehmen, für die sie nicht mal Zinsen erhalten.“ Dabei seien viele Bürger jetzt genauso dringend auf liquide Mittel angewiesen wie die Unternehmen.

Die Reisebranche dagegen zeigte sich erleichtert über den Schritt. Der Vorschlag sei „ein fairer Ausgleich zwischen der Notwendigkeit, Liquidität in unseren Unternehmen zu halten, und den Interessen der Verbraucher, die ihre Reise dann tatsächlich auch antreten können“, erklärte der Hauptgeschäftsführer des Verbands der Deutschen Luftverkehrswirtschaft, Matthias von Randow. dpa
© Südwest Presse 03.04.2020 07:45
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