Noch keinen Antrag abgelehnt

Bislang hat die Förderbank rund elf Milliarden Euro an Krediten zugesagt. Vorstandschef Bräuning rechnet mit einem Ansturm von Montag an.
Mit mindestens 50 Mrd. EUR an Krediten rechnet Günther Bräunig, Vorstandschef der staatlichen Förderbank KfW, für Großunternehmen, den Mittelstand, Einzelhändler, Handwerker, Selbständige und Freiberufler im Rahmen der Corona-Programme der KfW. „100 Mrd. EUR kann ich mir derzeit nicht vorstellen, aber ich will das auch nicht ausschließen“, sagte Bräunig am Donnerstag beim Bilanzgespräch. Bislang habe die KfW fast 11 Mrd. EUR ausgezahlt, unter anderem auch an ein Großunternehmen.

Nach seinen Angaben wurde von der KfW keiner der bis Donnerstagmittag eingegangenen 2500 Anträge auf Krisenhilfe abgelehnt. 2100 seien zugesagt, rund 400 befänden sich noch in der Prüfung. Bei 90 Prozent handle es sich um Anträge auf Kredite bis 3 Mio. EUR. Der Großteil der Zusage gehe in die bevölkerungsreichsten Bundesländer, also nach Nordrhein-Westfalen, Bayern und Baden-Württemberg.

Vom kommenden Montag an erwarten Bräunig und Ingrid Hengster, im Vorstand der KfW für die Corona-Kreditprogramme zuständig, einen wahren Ansturm auf die Hilfen. Dann ist die Förderbank in der Lage, Anfragen und Auszahlung bei Beträgen bis zu 3 Mio. EUR teilweise innerhalb eines Tages, spätestens aber nach drei Tagen abzuwickeln. „Es können am Montag pro Stunde 2000 bis 3000 Anträge einlaufen“, vermutet Hengster. „Darauf sind wir und unser System eingestellt. Pro Tag können wir mehrere tausend Anträge bearbeiten.“

Bei Anfragen bis 3 Mio. EUR verzichtet die KfW auf die sonst übliche eigene Kreditprüfung und übernimmt die Einschätzung der jeweiligen Bank oder Sparkasse, die das Geld letztlich auszahlt. Bei Anträgen bis 10 Mio. EUR hat die Förderbank ein beschleunigtes Verfahren etabliert. Bei größeren Beträgen prüft sie selbst wie üblich intensiv. Das gilt etwa für den Kreditantrag des Reisekonzerns Tui, der sich auf 1,7 Mrd. EUR belaufen soll. In diesen Fällen allerdings stemmt die KfW das Hilfsdarlehen nicht alleine, sondern in Zusammenarbeit mit den Banken in Form eines Konsortialkredits.

Bei der Förderbank erwartet man im gesamten April die stärkste Nachfrage nach den Kredithilfen, im Mai werde sie vermutlich abflauen, sagte Bräunig. Er geht davon aus, dass Fabriken, Läden, Restaurants, Theater und Kinos für drei Monate geschlossen bleiben und sich dann das Wirtschafts- und Geschäftsleben wieder langsam normalisiert bis es 2021 seinen normalen Gang nimmt. Dabei richtet Bräunig seinen Blick auf die Entwicklung in China, wo sich das Wirtschaftsgeschehen nach 50 Tagen Stillstand wieder zu 80 Prozent normalisiert habe. „Aber natürlich weiß derzeit niemand genau, was passieren wird“, räumte der KfW-Chef ein. Bräunig betonte, dass es sich bei den KfW-Hilfen nicht um Zuschüsse, sondern um Kredite mit einer Laufzeit von bis zu fünf Jahren handelt, die zurückgezahlt werden müssten.

Grundlage für die Gewährung eines KfW-Kredits ist die wirtschaftlich gesunde Lage des jeweiligen Antragstellers zum Ende des vergangenen Jahres. Bräunig schließt deshalb nicht aus, dass Anträge in den nächsten Wochen auch abgelehnt werden. „Es geht bei den Corona-Programmen nicht darum, dass jeder Kredit bekommt, der Geld braucht.“

Für Wünsche nach weiteren Verbesserungen der Programme hat der KfW-Chef Verständnis. Das seien aber letztlich Entscheidungen, die von der Politik getroffen werden müssten. Die Zusammenarbeit mit den Banken und Sparkassen laufe sehr gut. Probleme im Einzelfall könne es aber natürlich geben.

Die Gefahr, dass die staatliche Förderbank mit den Hilfsprogrammen finanziell überfordert werden könnte, sieht Bräunig nicht. Bei der Refinanzierung gebe es keine Probleme. „Wir sind extrem liquide.“ Gerade habe die KfW zwei Anleihen in Milliardenhöhe platzieren können. Daneben stelle der Bund bis zu 100 Mrd. EUR bereit. Auch das 750 Mrd. EUR schwere Anleihelaufprogramm der EZB helfe.
© Südwest Presse 03.04.2020 07:45
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