Kuscheln weiter erlaubt

Haustiere spielen bei der Verbreitung des Virus keine Rolle. Dem Friedrich-Loeffler-Institut zufolge gibt es keinerlei Hinweise.
  • Für isolierte Menschen ist das Haustier besonders wichtig. Foto: Christin Klose/dpa
Können Hunde und Katzen auch das Coronavirus bekommen? Oder möglicherweise nur übertragen? Viele Heimtierhalter sind verunsichert. Nach Einschätzung deutscher Wissenschaftler spielen Haustiere keine relevante Rolle bei der Verbreitung des Coronavirus. Darauf gebe es bisher keine Hinweise, heißt es beim Friedrich-Loeffler-Institut (FLI), das bundesweit Tierseuchen beobachtet. Je nach Tierart seien Ansteckungen durch Menschen aber nicht komplett auszuschließen. Allerdings bedeute eine mögliche Infektion von Haustieren nicht automatisch, dass sich das Virus in den Tieren vermehren kann und von ihnen auch wieder ausgeschieden werde.

Die Hauptquelle für Ansteckungen mit dem Coronavirus sind nach wie vor Infektionen zwischen Menschen. Für Hunde und Katzen empfiehlt das FLI deshalb zunächst keine Maßnahmen wie Absonderung, Trennung oder Quarantäne. Für Tierhalter generell, nun aber ganz besonders für Menschen mit Coronavirus-Infektionen, sei es wichtig, Hygieneregeln im Umgang mit ihrem Liebling zu beachten. Dazu gehörten zum Beispiel Händewaschen und das Vermeiden von Anniesen oder Anhusten. Halter sollten sich von ihren Tieren auch nicht durch das Gesicht lecken lassen.

Es bestehe kein Grund dafür, Haustiere vorsorglich in Tierheimen abzugeben, betont das Institut. Selbst wenn ein Haustier positiv auf Sars-CoV-2 getestet werden sollte, bestehe kein Anlass, das Tier einzuschläfern.

Ähnlich lautet die Einschätzung von Achim Gruber, Chef der Tierpathologie an der Freien Universität Berlin, der in Deutschland als ausgewiesener Kenner von Tierkrankheiten gilt. Für Hunde gibt er sofort Entwarnung. Bei Katzen sei die Forschungslage deutlich unklarer, aber generell sieht Gruber auch bei ihnen keinen Grund zur Sorge.

Allein schon, weil es zwar weltweit viele hunderttausend nachweislich infizierte Menschen gibt. Doch selbst bei dieser großen Zahl seien bisher keine alarmierenden Folgen für ihre Haustiere aufgefallen – oder ein Zusammenhang mit ihnen als mögliche Überträger des neuen Virus auf den Menschen, sagt Gruber.

Er bekommt viele Anfragen von Tierbesitzern: Ob sie ihre Lieblinge nun isolieren sollen? „Wir sagen: Für Hunde nein. Bei Katzen können wir uns noch nicht ganz sicher sein“, sagt der Experte. „Aber das heißt noch lange nicht, dass Katzen erkranken – oder gar Menschen infizieren könnten.“ dpa
© Südwest Presse 04.04.2020 07:45
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