Angst vor der zweiten Welle

Das Land kehrt allmählich zur Normalität zurück. Gänzlich überwunden ist die Corona-Krise nicht.
  • In Wuhan sind noch immer Kontrollzonen aufgebaut. Foto: Ng Han Guan/AP/dpa
China gedenkt an diesem Wochenende landesweit seiner mehr als 3000 Virustoten – und schließt damit auch symbolisch mit einem der tragischsten Kapitel in der jüngeren Geschichte des Landes ab: Das Coronavirus, das noch im Februar eine Provinz von rund 60 Millionen Einwohnern an den Kollaps gebracht hatte, wirkt im mittlerweile zum Alltag zurückfindenden Staat schon fast wie ein Relikt der Vergangenheit.

Seit gut zwei Wochen nämlich scheinen die täglich auf wenige Fälle beschränkten Neuinfektionen im mit 1,4 Milliarden Menschen bevölkerungsreichsten Land der Welt fast schon vernachlässigenswert. Auch wenn sich die Indizien häufen, dass die offizielle Statistik frisiert sein könnte, gilt doch im Großen und Ganzen: Das Reich der Mitte hat das Virus derzeit erfolgreich unterdrückt.

Wie fragil dieser Zustand ist, wird jedoch dieser Tage mehr als deutlich: Das Land hat seine Pforten für Ausländer vollständig dicht gemacht. Zudem haben die Behörden diese Woche erneut einen Landstrich in der Provinz Henan isoliert, nachdem eine Frau von einem infizierten, aber keine Symptome zeigenden Arzt angesteckt worden war. Auch die vollständige Aufhebung der Restriktionen in Wuhan, dessen Einwohner vom 8. April an die Stadt erstmals seit Monaten wieder verlassen dürfen, soll sich aus Angst vor „stillen Virusträgern“ weiter verzögern. Befürchtet wird, dass es zu einer zweiten Viruswelle kommen könnte. Viele Lockerungen der letzten Tage wurden wieder zurückgenommen: Schon geöffnete Kinos mussten wieder schließen. Auch Sportveranstaltungen mit Publikum wurde ein Riegel vorgeschoben.

Wer derzeit von Europa nach Ostasien schaut, blickt auch immer in die Zukunft: In China, Südkorea und Japan ist das Virus schließlich zuerst ausgebrochen, die erste Ansteckungswelle wurde dort als erstes abgeflacht. Die wichtigste Lehre aus jener Region ist allerdings eine ernüchternde: Die Gefahr einer zweiten Welle bleibt so lange bestehen, bis das Virus medizinisch in den Griff zu bekommen ist. Der Kampf gegen Covid-19 lässt sich nur global gewinnen. Fabian Kretschmer
© Südwest Presse 04.04.2020 07:45
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