Präventiver Massentest auf Covid-19

Mitarbeiter und Bewohner von Pflegeinstitutionen werden im Kreis Tübingen vorsichtshalber überprüft.
In einer langen Schlange mit gebührendem Abstand stellt sich das Pflegepersonal des Luise-Wetzel-Stifts vor der Pflegeeinrichtung in Tübingen an. Zuerst sollen die 75 Mitarbeiter, anschließend die 117 Bewohner auf Covid-19 getestet werden. Einen positiven Fall gibt es in dem Heim nicht, auch keinen Verdachtsfall. „Aber um uns da sicher zu sein und Infektionen frühzeitig zu erkennen, müssen wir einfach testen“, sagt Lisa Federle, Kreisverbands-Präsidentin des Deutschen Roten Kreuzes (DRK).

Das Coronavirus wird zunehmend in Pflegeheimen nachgewiesen, ob bei Bewohnern oder Mitarbeitern. In einem von Infektionen betroffenen Wolfsburger Pflegeheim starben 22 Menschen. Deshalb setzt der Kreis Tübingen auf Prävention: Mit einem Arztmobil, einem medizinisch eingerichteten Sprinter, der als mobile Corona-Teststation schon seit Anfang März im Einsatz ist, fahren die Notärztin Federle und ihre Mitarbeiter jetzt im Kreis alle Heime an, um von Pflegern und Bewohnern Abstriche zu nehmen.

Während die Bundespolitik Bekenntnisse zum Schutz der Menschen in Altenheimen abgibt und Markus Söder (CSU) am Freitag bei einer Video-Pressekonferenz als erster Ministerpräsident Schnelltests auf das Coronavirus für alle Mitarbeitenden in Alten- und Pflegeheimen versprochen hat, hat das DRK in Tübingen mit den flächendeckenden Tests in den Heimen einfach angefangen. „Das ist unsere einzige Chance, Situationen wie in Wolfsburg zu verhindern“, sagt Federle. „Da muss schnell gehandelt werden“, auf Vorgaben aus den Ministerien könne man nicht warten. Den baden-württembergischen Sozialminister Manfred Lucha (Grüne) hat Federle aufgefordert, ebenfalls flächendeckend die Heime im Land durchzutesten.

Das Landratsamt Tübingen unterstützt das DRK bei der Umsetzung. „Es gibt zwar noch keine offiziellen Empfehlungen, Altenheime flächendeckend zu testen, aber so können wir rausbekommen, wie die Lage tatsächlich in den Einrichtungen ist“, sagt Landrat Joachim Walter. Ein bestimmendes Thema dabei sei aber auch weiterhin der Nachschub an Schützausrüstung und Teströhrchen, sagt der Landrat. Vom Land habe man bisher nur einen sehr geringen Teil erhalten.

Lisa-Maria Sporrer
© Südwest Presse 04.04.2020 07:45
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