Ganz früh einen eigenen Ton gefunden

Im Alter von 92 Jahren stirbt der legendäre Jazz-Musiker Lee Konitz an den Folgen einer Covid-19-Infektion.
Gerry Mulligan nannte ihn schlicht „ein Genie“. Mit allen Großen – von Miles Davis bis Bill Evans, von Lennie Tristano bis Charlie Haden – stand er auf der Bühne: Der Altsaxofonist Lee Konitz war immer schon da, und er war selbst eine Legende.

1945 begann seine Karriere in der Band von Teddy Powell. Ende der 40er war er Teil von Miles Davis‘ Nonett, das die Jahrhundertplatte „Birth of the Cool“ aufnahm, die bekanntlich einer neuen Richtung ihren Namen gab. Ganz früh entwickelte er einen eigenen, warmen, klaren Ton, der gar nicht dem Bebop-Stakkato der Zeit entsprach und gerade deshalb faszinierte. Als Leader eigener Formationen und als Teil von Lennie Tristanos Band prägte er den Cool Jazz der 50er. Unzählbare Alben hat er eingespielt.

Wo andere immer weiter ausbrachen, andere Genres in den Jazz integrierten, suchte er auf konzentrierteste Weise in sich nach immer neuen improvisatorischen Wegen. Er war „free“ in umfassendem Sinn.

Der 1927 in Chicago geborene Konitz übte mit seiner oft gelobten melodischen Fantasie auch größten Einfluss auf die Avantgarde der 60er aus. Dass Konitz bis ins hohe Alter prägend war, hat gewiss mit seiner Neugier und Offenheit zu tun. Immer wieder arbeitete er mit jungen Instrumentalisten zusammen, bis zuletzt stand er auf der Bühne. Wie sein Sohn bekanntgab, starb er jetzt in Manhattan im Alter von 92 Jahren an den Folgen einer Covid-19-Infektion. Uli Rüdenauer
© Südwest Presse 17.04.2020 07:45
445 Leser
Ist dieser Artikel lesenswert?
Kommentar schreiben
Zu diesem Artikel wurden noch keine Kommentare geschrieben.

Anmeldung zum E-Mail-Newsletter aus der Redaktion

Die wichtigsten und interessantesten Meldungen des aktuellen Tages aus der Redaktion direkt in Ihr E-Mail-Postfach – täglich und kostenlos jeden Abend.

Jetzt kostenlos anmelden

Aktuelle Meldungen direkt auf Ihr Handy