Corona macht der Festivalsaison den Garaus

Hunderttausende Fans müssen wegen der Pandemie auf Open Airs verzichten. Auch die Bands leiden.
Ob Rock, Metal oder Elektro: Hunderttausende wollten in diesem Sommer auf Festivals feiern und ihre Stars live erleben. Doch daraus wird jetzt nichts – wegen der Corona-Pandemie. Der Festivalsommer in Deutschland wird weitestgehend ausfallen.

Nachdem Bund und Länder grundsätzlich alle Großveranstaltungen bis 31. August untersagt haben, gibt es für die Austragung großer Festivals wohl keine rechtliche Grundlage mehr. Am Donnerstag verkündeten deshalb unter anderem die Veranstalter des Heavy-Metal-Festivals in Wacken und der beiden Zwillingsfestivals „Rock am Ring“ (Nürburgring) und „Rock im Park“ (Nürnberg) Absagen.

Auch die Festivals „Southside“, „Hurricane“, „Deichbrand“, „Elbjazz“, „Limestone“, „Highfield“ und „M'era Luna“ des Veranstalters FKP Scorpio sind bereits gestrichen. Das „Airbeat One“ und die „Fusion“ in Mecklenburg-Vorpommern werden ebenfalls nicht stattfinden. Betroffen von Absagen sind auch zahlreiche andere Events: Das internationale Africa Festival in Würzburg fällt in diesem Sommer wegen der Corona-Auflagen aus.

Viele Veranstalter verwiesen bei ihrer Absage schon auf die nächste Ausgabe ihrer Veranstaltungen im Jahr 2021. Die Neuansetzung der Jubiläumsfestivals von „Rock am Ring“ und „Rock im Park“ sei jetzt für das zweite Juni-Wochenende 2021 terminiert, hieß es vom Veranstalter Live Nation. Eigentlich sollten am ersten Juni-Wochenende 35 Jahre „Rock am Ring“ und 25 Jahre „Rock im Park“ gefeiert werden. Jetzt richteten sich alle Hoffnungen auf die Zeit nach dem Ende des Ausnahmezustandes.

„Für viele Musikfans sind unsere Festivals lang herbeigesehnte Höhepunkte des Jahres, die in dieser noch nie dagewesenen Ausnahmesituation dennoch ganz klein scheinen“, sagt Stephan Thanscheidt von FKP Scorpio. Jetzt müsse Solidarität gezeigt werden, Gesundheit sei das Wichtigste. Der Veranstalter organisiert unter anderem das „Hurricane“ in Niedersachsen und das „Southside“ in Neuhausen ob Eck bei Tuttlingen, wo voriges Jahr 128 000 Menschen feierten.

Auch die Band Revolverheld sollte diesen Sommer auf mehreren Open Airs auftreten. „Für uns als Band bedeutet das eine große Umstellung. Wir tun das, was wir am liebsten machen, im Moment wirklich gar nicht“, sagt der Sänger Johannes Strate. „So etwas hat es, glaub‘ ich, noch nie in der Veranstaltungsbranche gegeben.“ Das sei „der helle Wahnsinn“.

Die Folgen sind erheblich, sagt der Präsident des Bundesverbands der Konzert- und Veranstaltungswirtschaft (BDKV), Jens Michow: „Für die Festivalbranche in Deutschland entsteht ein Schaden in Milliardenhöhe.“ Zwar könnten die Veranstalter auf Ausfallzahlungen der Versicherungen hoffen, da sie die Absage nicht selbst zu vertreten haben. Doch das decke längst nicht alle Schäden ab.

Die Bundesregierung will mit Gutscheinen eine Lösung für Veranstalter und Fans anbieten. Die Regelung, die Ende April vom Bundestag verabschiedet werden soll, gilt auch für andere abgesagte Kulturveranstaltungen. Die Gutscheine sollen bis Ende 2021 gelten und beim gleichen Veranstalter auch für andere Events eingelöst werden können. dpa
© Südwest Presse 17.04.2020 07:45
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