Kommentar Roland Müller zu den Ermittlungen gegen Lucha

Peinliche Affäre

Die Vorstellung, einen Minister mit zwei Abendessen bestechen zu können, mag absurd sein. Die Ermittlungen gegen Manne Lucha (Grüne) sind dennoch eine Peinlichkeit für den Sozialminister – und zeigen, wie wichtig es doch ist, politische Reinheitsgebote einzuhalten. Dass Staatsanwälte gegen amtierende Minister ermitteln, kommt nicht oft vor. Nun trifft es ausgerechnet Lucha, der gerade als Krisenmanager den Kampf gegen das Coronavirus im Land anführt.

Dass es ein „großer Fehler“ war, den Kabarettisten Christoph Sonntag Rechnungen für gemeinsame Abendessen übernehmen zu lassen, wo dieser sich doch gerade um Fördergelder für ein Demokratieprojekt bewarb, hat Lucha bereits eingestanden. Selbst wenn strafrechtlich am Ende nichts hängen bleibt – schon durch den Anschein von Kungelei nimmt die Glaubwürdigkeit schweren Schaden. Diese Lektion sollte man aus dem Absturz des Bundespräsidenten Christian Wulff gelernt haben.

Lucha gibt sich gern als zupackender, jovialer Macher. Durch seine Instinktlosigkeit in der Affäre Sonntag hat er sich und auch seiner Partei allerdings einen Bärendienst erwiesen.
© Südwest Presse 17.04.2020 07:45
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Kommentare

Frieder Kohler

"Diese Lektion sollte man aus dem Absturz des Bundespräsidenten Christian Wulff gelernt haben" !? Die Politiker aus dem Musterländle haben einen anderen Lehrmeister, der in den Büchern von Martin Born eine einnehmende Rolle spielt: Der gestürzte Lothar Späth ließ ihn einen "erbarmungslosen Verfolger" nennen. Nach "Landliebe - Filz und Betrug /Die Südmilchpleite" (CAMPUS) widmete Born sein letztes Buch "Die Maultaschen-Connection" dem Cleverle. Lesen Sie selbst, die Spuren in der politischen Landschaft sind noch nicht verweht, die Hauptdarsteller haben Duftmarken gesetzt, die Langzeitwirkung über den Tod hinaus zeigen!

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