Hintergrund

Wie es an den Schulen weitergehen soll

Der Bildungsbereich soll langsam wieder zur Normalität zurückkehren. Die Hürden sind allerdings gewaltig. „Der Unterricht, der jetzt bis zu den Sommerferien kommt, wird natürlich ein anderer Unterricht sein als der, den es vor Corona gab“, sagte Stefanie Hubig (SPD), Präsidentin der Kultusministerkonferenz, am Donnerstag dem SWR. Doch was heißt das? Fragen und Antworten zum Schulbetrieb.

Was passiert am 4. Mai? Das ist der Termin, an dem die Schulen nach und nach wieder öffnen sollen. Das hat Kanzlerin Merkel am Mittwoch angekündigt und gleich eine Reihe von Einschränkungen nachgelegt: „Es muss in reduzierten Gruppen sein. Es muss ein Schulbuskonzept da sein. Es muss ein Pausenkonzept da sein. Es wird also ein hoher logistischer Aufwand zu betreiben sein.“ Vor den Schulen liegt also eine Menge Arbeit, bevor es wieder losgehen kann

Sind die Schulen darauf vorbereitet? Das ist sehr unterschiedlich. Mancherorts sind etwa die Gänge so eng, dass Abstandsregeln beim besten Willen kaum eingehalten werden können. Auch Seife und warmes Wasser hat es bislang längst nicht überall gegeben. Stephan Wassmuth, der Vorsitzende des Bundeselternrats, bezweifelt, dass sich das schnell ändert. „Es ist ausgeschlossen, dass die Schulen ihre oft maroden sanitären Einrichtungen bis zum 4. Mai so in Ordnung bringen, wie es in dieser Pandemie-Situation nötig wäre“, sagte er dem Redaktionsnetzwerk Deutschland.

Laufen die Öffnungen überall gleich ab? Nein, für die konkrete Ausgestaltung sind die Länder verantwortlich. Allerdings sind die Kultusminister beauftragt worden, bis zum 29. April ein gemeinsames Konzept für die Schulöffnungen zu erarbeiten. „Unser Ziel ist es, bundesweit möglichst einheitlich vorzugehen“, sagte KMK-Präsidentin Hubig am Donnerstag. Sicher ist aber schon jetzt, dass die Länder trotzdem unterschiedlich vorangehen. Während Länder wie Bayern eher vorsichtig vorangehen, wollen andere – etwa Sachsen und Niedersachsen – Schüler der Abschlussklassen schon vorher wieder in die Schulen lassen.

Was ist mit den Prüfungen? Auch das entscheiden die Länder, was ebenfalls zu unterschiedlichen Terminen führt. Baden-Württemberg hatte den Beginn aller zentralen Prüfungen schon zuvor auf den 18. Mai verlegt. Dabei bleibt es. Anderswo, etwa in Brandenburg, starten die Abiturprüfungen unter strengen Hygieneregeln schon am 20. April.

Also gibt es wieder keine Einigkeit unter den Kultusministern? Nicht unbedingt. Denn in der Einigung der Kanzlerin mit den Ministerpräsidenten steht: „Prüfungen und Prüfungsvorbereitungen der Abschlussklassen dieses Schuljahres sollen nach entsprechenden Vorbereitungen wieder stattfinden können.“ Das wurde am Mittwoch nur nicht so deutlich kommuniziert. Und bis zum 29. April müssen die Minister ohnehin eng zusammenarbeiten, um das Konzept zu erstellen.

Was ist mit Grundschul- und Kita-Kindern? Zuerst sollen die älteren Schüler in den Unterricht zurückkehren und jene Grundschüler, die kurz vor dem Wechsel auf eine weiterführende Schule stehen. „Grundschulen oder Kitas bleiben vorerst zu“, sagte Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU).

Was heißt „vorerst“? Das blieb auch am Donnerstag unbestimmt. Allerdings deutet sich eine vorsichtige Öffnung auf einem anderen Weg an. Die Kanzlerin und die Ministerpräsidenten haben sich nämlich auf folgende Formulierung geeinigt: „Die Notbetreuung wird fortgesetzt und auf weitere Berufs- und Bedarfsgruppen ausgeweitet.“ Wer genau zu einer Bedarfsgruppe gehört, ist nicht konkretisiert worden. Gut möglich, dass Kinder von Alleinerziehenden oder aus schwierigeren sozialen Verhältnissen dazu zählen. Die Notbetreuung dürfte also ausgeweitet werden.

Reicht das? Zumindest Grünen-Chefin Annalena Baerbock glaubt das nicht. „Für Kinder sind nach wie vor alle Orte, wo sie hingehen können, gesperrt“, beklagte sie am Donnerstag. Zugleich werden Rufe immer lauter, Eltern zu unterstützen, die weniger arbeiten können, weil sie die Kinderbetreuung organisieren müssen. Mathias Puddig
© Südwest Presse 17.04.2020 07:45
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