17-Jähriger weiter unter Mordverdacht

Das Tötungsdelikt vom 25. Januar auf einem Reiterhof im Landkreis Heilbronn ist noch nicht ganz aufgeklärt.
Drei Monate nach der Familientragödie auf einem Reiterhof in Güglingen-Frauenzimmern (Kreis Heilbronn) sind die Hintergründe noch unklar. „Die Ermittlungen sind noch nicht abgeschlossen“, teilte Bettina Jörg, die Sprecherin der Staatsanwaltschaft Heilbronn, auf Anfrage der SÜDWEST PRESSE mit. Derzeit stehe der 17 Jahre alte Beschuldigte noch unter Mordverdacht. Doch erst nach Vorlage aller Ergebnisse könne entschieden werden, ob wegen Mordes oder Totschlags Anklage erhoben werde.

Wann es so weit sein wird, konnte Jörg nicht sagen. Nach Jugendstrafrecht kann ein jugendlicher Mörder zu einer Höchststrafe von zehn Jahren verurteilt werden.

Am 25. Januar war die Polizei wegen einer „Auseinandersetzung mit mehreren Verletzten“ gegen 1 Uhr über Notruf alarmiert worden. In dem abseits gelegenen Anwesen fanden die Beamten drei verletzte Menschen.

Ein 15-Jähriger lag im Sterben, ihm konnte von keinem Arzt mehr geholfen werden. Er erlag den Verletzungen am Tatort. Der 54 Jahre alte Vater und der zweite Sohn (17) wurden im Polizeibericht als „schwerstverletzt“ bezeichnet. Sie wurden in unterschiedliche Krankenhäuser gebracht.

Am Klinikbett wurde dem 17-Jährigen wenig später der Haftbefehl eröffnet. Er soll mit einem Messer zugestochen haben. Mittlerweile befinde er sich in der Vollzugsklinik auf dem Hohenasperg, sagte Bettina Jörg. Er stehe weiterhin unter dringendem Tatverdacht, „weshalb der Untersuchungshaftbefehl fortbesteht“.

Aussage verweigert

Der Vater sei aus dem Krankenhaus entlassen worden. Er und sein Sohn verweigerten gegenüber den Ermittlern die Aussage. Wohl auch wegen dieses gemeinsamen Schweigens fällt die Aufklärung des Verbrechens schwer.

„Zum Motiv und dem Tathergang können derzeit noch keine Angaben gemacht werden“, erklärte die Erste Staatsanwältin. Anfangs war vermutet worden, dass der Vater einen Streit der Söhne schlichten wollte.

Die Kriminalpolizei habe eine Vielzahl von Spuren gesichert, die von Technikern ausgewertet würden, hatte ein Sprecher des Polizeipräsidiums Heilbronn Ende Januar gesagt. Seine Kollegen müssten „ein Puzzle zusammensetzen“.

Zuerst hatten Vater und Sohn wegen der Schwere der Verletzungen nicht befragt werden können, später machten sie von ihrem Recht Gebrauch, die Aussage zu verweigern. Für die Polizei stand fest, dass der Täter nur eine der drei angetroffenen Personen sein konnte: „Anhaltspunkte auf eine weitere, flüchtige Person gibt es derzeit nicht.“

Hans Georg Frank
© Südwest Presse 17.04.2020 07:45
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