Kommentar Dieter Keller zum Arbeitsschutz in Corona-Zeiten

Ziemlich schlicht

Arbeitsschutz ist zweifellos wichtig. Aber irgendwie muss es am Bundesarbeitsministerium und der Gesetzlichen Unfallversicherung vorbei gegangen sein, dass die meisten Unternehmen in den letzten Wochen trotz der Corona-Pande- mie gearbeitet haben und nicht etwa jetzt erst wieder anlaufen. Supermarktkassiererinnen saßen wochenlang weitgehend ungeschützt da. Die Arbeitgeber waren bei Schutzmaßnahmen auf sich gestellt. Jetzt sind die Offiziellen endlich aufgewacht und haben einen allgemeinen Coronavirus-Arbeitsschutzstandard zu Papier gebracht. Wie schön.

Der Inhalt ist eher schlicht. Aufmerksame Zeitungsleser kennen ihn längst: Mindestens 1,50 Meter Abstand halten, häufig Hände waschen, niemals krank zur Arbeit. Darauf wäre nun wirklich kein Betrieb und kein Arbeitnehmer von selbst gekommen. Aber wenn es schon die Gesetzliche Unfallversicherung sagt – die bei Arbeitgebern den Ruf hat, ebenso pedantisch wie teuer zu sein –, muss es richtig sein.

Ist damit eine Corona-Infektion am Arbeitsplatz künftig ausgeschlossen und eine Berufskrankheit samt Zahlungen der Unfallversicherung? Wohl kaum, schon weil nicht nachzuweisen ist, wo die Viren zugeschlagen haben. Dafür dürften Arbeitnehmer umfangreiche Handreichungen bekommen. Ob sie das wirklich schützt, ist offen.
© Südwest Presse 17.04.2020 07:45
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