Biografie

Reise um die Welt

Der Reisejournalist Helge Timmerberg hat die „finale Biografie“ über den „Herrn der Schrauben“ Reinhold Würth geschrieben, der am Montag seinen 85. Geburtstag feiert.
  • Klein hat er angefangen – und einen Weltkonzern aufgebaut. Zu seinen Leidenschaften gehört die Fliegerei: Reinhold Würth 2017 vor einer Cessna Citation XLS+ am Flugplatz in Schwäbisch Hall. Foto: Thumilan Selvakumaran
  • Helge Timmerberg. Foto: Frank Zauritz / Piper Verlag
  • : Reinhold Würth. Piper, 208 Seiten, 22 Euro. Foto: Piper
Den Namen Würth hörte er zum ersten Mal zwei Tage vor dem Interview. Er hatte keine Ahnung, „nicht von Wirtschaft, nicht von ihm“. Aber jetzt fährt der Reisejournalist Helge Timmerberg, eine Legende der Branche, dessen Bücher „Tiger fressen keine Yogis“ oder „Der Jesus vom Sexshop“ heißen, nicht nach Tibet oder ins wilde Kurdistan, sondern nach Künzelsau. Ein Auftrag des Magazins „Bilanz“ und, ja, die Herren mögen sich. Besser gesagt: Timmerberg bewundert – das Büro, den Anzug, den Menschen und überhaupt: „Mich berührt diese freundliche Zerbrechlichkeit im Zentrum der Macht.“

Zwei Wochen, nachdem der Artikel erschienen ist, ruft der Milliardär bei Timmerberg an: Ob er seine „finale Biografie“ schreiben wolle? Sofort! Dann geht die Reise richtig los: an die Algarve, zur 85-Meter-Jacht, nach Salzburg, nach Berlin, nach Kanada zur Firmenfeier. Die geschmackvoll komfortabel wie familiär einladenden Häuser und Schlösser des Unternehmers, in denen der Autor logieren darf, gefallen ihm außerordentlich.

Zwei Hauptpersonen

Finale Biografie heißt: Es sind schon diverse Bücher über den Hohenloher Reinhold Würth erschienen, und „Der Herr der Schrauben“, wie Timmerbergs Werk im Untertitel heißt, wird am Montag, am 20. April, 85 Jahre alt. Auch die Geschichte übers Buch steht im Buch, und auf Seite 129 (von 208) wechselt der Biograf in die Ich-Perspektive und steigt zur zweiten Hauptperson auf. Timmerberg schreibt etwa lieber über sein Kunsterlebnis in einem Würth-Museum als darüber, wie der Sammler sammelt oder Freundschaften zu Künstlern pflegt.

Wobei Timmerberg auch von einem Spaziergang zur Johanniterkirche in Schwäbisch Hall erzählt, wo die berühmte Holbein-Madonna hängt, die Würth dem Frankfurter Städel-Museum wegschnappte, das nur 40 Millionen Euro hatte bieten können. Weit ausführlicher beschreibt Timmerberg aber Würths Leidenschaft fürs Fliegen, seine von ihm selbst gesteuerten Flugzeuge von der Cessna F-172 bis zu Düsenjets.

Einmal fragt er Würth, was er sich von diesem Buch erwarte. „Dass es ehrlich ist“, entgegnet der Unternehmer, der mit 19 Jahren die Schraubenhandlung seines verstorbenen Vaters übernahm und sie zu einem Weltkonzern mit fast 80 000 Mitarbeitern führte. Würth hat die Biografie dann auch vorab gelesen und für gut befunden. Wobei der stets ehrfürchtige Timmerberg sowieso gesteht, dass er „harmoniesüchtig“ sei. Im Kapitel „Bad News in Berlin“ fasst er auf nur knapp vier Seiten die Steuerhinterziehungs-Ermittlungen zusammen, die Würth 2006 tief kränkten und die ohne Prozess mit einem Strafbefehl über 3,5 Millionen Euro endeten. „Sollte da was schiefgelaufen sein, dann im schlimmsten Fall aus Nachlässigkeit, aber nicht mit Absicht“, weiß Timmerberg.

Die Selbstbespiegelung des Autors mal abgezogen: Timmerberg schreibt fesselnd, er ist nah dran, er hat gut recherchiert, eine staubtrockene Heldenverehrung ist das Buch nicht. Dass da einer, der mit 14 von der Schule musste, sich mit unbändigem Fleiß und Härte hocharbeitete, es mit Neugier und Visionen, mit Gottesglauben, Schlitzohrigkeit und moderner Führungskultur zum Milliardär brachte – das fasziniert Timmerberg. Auch dass Reinhold Würth ein herzlicher Familienmensch ist, der nicht heimlich auf seinem Reichtum hockt, sondern den Luxus gediegen genießt und als Mäzen auftritt.

Und nachdem er Würth erlebt hat, wie er im Württembergischen Landesmuseum als Vorsitzender des Fördervereins verabschiedet wurde, mit einer entspannten Rede und Scherzen, traut sich Timmerberg mit „ein bisschen Mut“ zumindest zu sagen: „Sie sind eine Bühnensau, Herr Professor.“
© Südwest Presse 18.04.2020 07:45
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