Nichts ist mehr normal

In Baden-Württemberg ist der Spielbetrieb bis zum 3. Mai eingestellt. Andernorts ist die Saison gelaufen.
  • „Tiefgreifende Konsequenzen“: Oliver Reese, Intendant des Berliner Ensembles. Foto: Bernd von Jutrczenka
In Berlin hat Kultursenator Klaus Lederer verkündet, dass die Spielzeit gelaufen sei. Die Bayerische Staatsoper in München oder das Meininger Staatstheater in Thüringen haben bereits die Saison vorzeitig beendet. Der deutschlandweite Blick auf die Homepages der Bühnen zeigt freilich unterschiedliche Haltungen – Kultur ist Ländersache. Und was bedeutet das bundesweite Verbot von Großveranstaltungen? In Baden-Württemberg jedenfalls hoffen die Theater noch. Die neue Verordnung der Landesregierung über ein Veranstaltungsverbot gilt bis 3. Mai – die Staatstheater Stuttgart etwa informieren, dass bis dahin alle Veranstaltungen abgesagt sind.

Den Theatermachern aber ist bewusst, dass die Coronavirus-Krise weitreichende Folgen haben wird auch für die nächste Saison. Oliver Reese (55), Intendant am Berliner Ensemble, sagte etwa, dass sein Haus an einem Plan arbeite, um bei einer Wiederöffnung die Hygieneregeln einhalten zu können. Nach einem möglichen Sitzplan säßen dann statt 700 nur noch 200 Zuschauer im großen Haus. „Wir gehen davon aus, dass wir bestimmte Stücke wie Ferdinand von Schirachs ,Gott', das ein Debattendrama ist, leichter spielen können als die neue Inszenierung von Frank Castorf, wo ein extrem körperliches Theater gefragt ist“, sagte Reese. Die beiden Inszenierungen hätten eigentlich im Frühjahr Premiere gehabt.

Vieles müsse nun umdisponiert werden. „Es ist schon ein gewaltiger Verschiebebahnhof“, sagte Reese. Man sei sicher, dass die nächste Saison ab Herbst nicht so dicht mit Premieren bestückt werden könne wie eigentlich geplant. „Um die Vorsichtsmaßnahmen einzuhalten, werden wir mit weniger Technikern gleichzeitig arbeiten müssen, was dazu führt, dass wir nicht im gewohnten Maße und Tempo Stücke auf- und abbauen können“, sagte Reese. Er glaube, dass die Krise „tiefgreifende Konsequenzen“ habe – für die Kunst auf der Bühne, den Saalplan, den Aufbau von Bühnenbildern oder die Art zu proben. Das werde das Theater „auf Monate oder wer weiß wie lange“ verändern. jük/dpa
© Südwest Presse 20.04.2020 07:45
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