Tennis

Kochlöffel statt Tennisschläger

Eigentlich wollte sie nach ihrer Verletzungspause in Stuttgart auf die große Bühne zurückkehren, nun bereitet sich Angelique Kerber in Polen auf ihr Comeback vor.
  • Kann in der Corona-Krise nur auf den nächsten Einsatz warten: Angelique Kerber. Foto: Marijan Murat/dpa Foto: Marijan Murat/dpa
Viel Tennis hat Angelique Kerber in diesem Jahr noch nicht gespielt. Nach den Australian Open musste sie wegen einer Oberschenkelverletzung pausieren, und jetzt, da sie wieder fit ist, sind wegen der Corona-Krise zumindest bis Juli alle Turniere abgesagt. Statt in Stuttgart, wo sie in dieser Woche normalerweise beim Porsche Tennis Grand Prix gespielt hätte, sitzt sie zu Hause im polnischen Puszczykowo und versucht, das Beste aus dieser Situation zu machen. Viel kann sie nicht tun. „Noch sind die Tennisplätze gesperrt und ich kann leider keine Bälle schlagen“, sagt sie, „doch ich mache mein tägliches Workout, um fit zu bleiben für den Tag, an dem ich wieder Tennis spielen kann. Da niemand verlässlich sagen kann, wann es weitergeht und wie die Zukunft aussieht, ist es jedoch sehr schwierig, für diesen Tag zu planen.“

An der Motivation, ihr Training auch ohne richtige Perspektive so gut es geht durchzuziehen, fehlt es der besten deutschen Tennisspielerin nicht. „Ich verfolge ja ein Ziel und weiß, was ich dafür tun muss“, sagt sie. Da diese Auszeit so plötzlich und unerwartet kam, musste sie sich jedoch völlig neu orientieren und auf einen ganz anderen Tagesrhythmus umstellen. Das war nicht einfach. Doch inzwischen genießt sie die Tage ohne die übliche Hektik, Turnierstress und ständiges Kofferpacken.

Nur zum Einkaufen raus

„Ich versuche durchzuatmen und meinem Körper die Ruhe zu geben, die er braucht, abzuschalten und den Kopf freizubekommen“, sagt sie. Das gelingt ihr ganz gut. Wenn Angelique Kerber etwas vermisst, außer Tennis natürlich, dann sind es Kleinigkeiten wie mal wieder mit Freunden einen Kaffee zu trinken. Also Dinge, die vor nicht allzu langer Zeit noch selbstverständlich waren, jetzt aber nicht mehr möglich sind. „Mein einziger Ausflug an die frische Luft“, sagt sie, „ist der in den Supermarkt zum Einkaufen – und das mit Gesichtsmaske und Gummihandschuhen.“

Dass im Hause Kerber keine Langeweile aufkommt, dafür sorgt ihr neues Hobby: Kochen. „Das wollte ich schon immer mal richtig lernen, hatte aber nie die Zeit dazu. Jetzt koche ich fast jeden Tag und habe sehr viel Spaß dabei“, erzählt die 32-Jährige. In ihrer Familie werden vor allem traditionelle Gerichte nach alten Rezepten gekocht, etwa Aufläufe. Dazu versucht sie sich an Desserts und überrascht ihre Lieben auch schon mal mit einem Kuchen. Was ihr am besten gelingt? „Ganz klar Pfannengerichte. Die gehen aber auch am einfachsten. Man haut alle möglichen Zutaten in die Pfanne, rührt ein paarmal um und schaut, was draus wird.“

Angelique Kerber ist überzeugt davon, dass nach der Krise vieles anders sein wird. Nicht nur im Tennis, auch im normalen Leben. „Ich bin sicher, dass wir dankbar sein werden für viele Dinge, die wir bisher gar nicht so geschätzt haben, und sei es nur, uns wieder frei bewegen zu können“, sagt sie. Was man aus so einer Krise lernen kann? Sie überlegt kurz und sagt dann: „Ich wünsche mir, dass wir daraus lernen, dass wir zusammen stärker sind als jeder für sich alleine und wir in Zukunft auch danach handeln.“

In dieser Woche wird sie vermutlich öfter an Stuttgart denken und an den Porsche Tennis Grand Prix, den sie 2015 und 2016 gewonnen hat. Nach ihren Verletzungssorgen vom Saisonauftakt, sagt sie, habe sie sich so darauf gefreut, in Stuttgart ausgeruht und fit auf die Tennistour zurückzukehren: „Mein Comeback beim Porsche Tennis Grand Prix mit dem fantastischen Publikum zu feiern, das war für mich eine ganz besondere Motivation.“
© Südwest Presse 20.04.2020 07:45
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