Kommentar Thomas Gotthardt zum Prozess in Sachen Sommermärchen

Beschämendes Ende droht

  • Könnecke Foto: Könneke
Die Schweiz gilt als eine der besten Demokratien der Welt. Was jedoch während der Verhandlung am Schweizer Bundesgericht in Bellinzona in Sachen Sommermärchen 2006 an dubiosen bis kuriosen Verwicklungen und Machenschaften vor allem der eidgenössischen Bundesanwaltschaft ans Tageslicht gekommen ist, lässt große Zweifel an juristischer Sauberkeit und Konsequenz beim Nachbarn aufkommen.

Nicht nur einmal im Mittelpunkt: Michael Lauber, der ranghöchste Ermittler des Landes. Der Prozess um die Vergabe der Fußball-WM 2006 war auch ein Lehrstück über fehlende Distanz Laubers zu dem Fußball-Mächtigen und Fifa-Präsidenten Gianni Infantino. Der Chefermittler quasi in einem Boot mit jemandem aus dem Fifa-Kreis, in den die Ermittlungen auch führten – alleine der Anschein von Kungelei macht einen sprachlos. Da schlichte Sorglosigkeit im persönliche Umgang zu unterstellen, wäre falsch. Schlichte Arroganz der Macht ist die richtige Diagnose.

Auch dank der Recherchen der Süddeutschen Zeitung wurden die unlauteren Mittel, mit denen die Weltmeisterschaft nach Deutschland geholt wurde, nahezu gänzlich aufgedeckt. Es bleibt ein gravierender Mangel, dass der Verbleib der 6,7 Millionen Euro nicht aufzuklären war. Offizieller Grund der Überweisung vom DFB an die Fifa war eine geplante, aber nie durchgeführte Eröffnungsgala für die WM 2006. Dass die Schweizer Bundesanwaltschaft, die das Verfahren im November 2015 eröffnete, dieses nun nicht ordentlich beenden kann, sondern wegen Verjährung einstellen muss, ist ein weiterer beschämender Punkt in diesem Prozess.
© Südwest Presse 20.04.2020 07:45
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