Land soll bei Rohstoffen unabhängiger werden

Umweltminister will Strategie vorlegen, wie Ressourcen besser genutzt werden können.
  • Franz Untersteller will das Land krisenfester machen. Foto: Sebastian Gollnow/dpa
Baden-Württemberg muss nach Ansicht von Umweltminister Franz Untersteller (Grüne) seine Lehren aus den Lieferengpässen während der Corona-Krise ziehen und unabhängiger werden vor allem vom asiatischen Rohstoffmarkt. Die schwierige Versorgung mit Schutzmasken und anderen medizinischen Produkten habe gezeigt, wie riskant es sei, sich getrieben von den Kosten auf ausländische Anbieter zu verlassen.

Das gelte nicht nur für Textilien, sondern auch für andere Branchen: „Plötzlich sind Luftbrücken nach Asien nötig, um Masken und andere medizinischen Utensilien nach Baden-Württemberg zu importieren“, sagte Untersteller. „Wer sagt uns, dass das nicht mal auf seltene Rohstoffe aus Asien hinausläuft?“ Die Krise müsse genutzt werden, um zu beraten, in welchen Bereichen sich das Land strategisch neu und vielseitiger aufstellen sollte. Untersteller will die Ressourceneffizienz-Strategie des Landes bis zum Herbst überarbeiten und dem Kabinett vorlegen. „Darin werden wir auch einen Schwerpunkt legen auf das Thema der Resilienz, also auf die Frage, wie wir als Land robuster werden gegen die Krisen in der Welt“, sagte der Minister.

China baue sein Monopol bei Seltenen Erden aus. „Und hätte die Corona-Krise in China noch länger angedauert, so wäre die weltweite Rohstoffversorgung stark betroffen gewesen und somit auch die Produktion in Baden-Württemberg“, sagte der Grünen-Minister. Denn sogenannte Seltene Erden würden in Produkten genutzt, die auch für Baden-Württemberg überaus wichtig seien. „Eine Windkraftanlage ohne Kobalt, ohne Nickel, ohne Kupfer oder Neodym gibt es nicht. Das gilt auch für Autoantriebe oder Festkörperlaser, die auf diese Rohstoffe als Bestandteile angewiesen sind“, sagte der Minister.

Es müsse gelingen, Rohstoffe verstärkt in einem Kreislauf zu führen. „Unser übergeordnetes Ziel ist es, dass wir insgesamt weniger Ressourcen benötigen und die verwendeten Ressourcen besser wiederverwerten.“ Zwar sei auch die Lagerhaltung eine Lösung, um die Rohstoffverfügbarkeit in Krisen zu sichern. „Aber letztlich müssen wir die Ressourcenresilienz vor allem über eine echte Kreislaufwirtschaft erreichen.“ Das Thema wird unter anderem im „Thinktank Industrielle Ressourcenstrategien“ beraten, dem Unternehmen wie Bosch, Zeiss, Audi oder Daimler angehören. Martin Oversohl, dpa
© Südwest Presse 20.04.2020 07:45
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