Sommerurlaub in Gefahr

Hinter Urlaubsreisen ins Ausland steht in diesem Jahr ein dickes Fragezeichen. Die Branche gibt die Hoffnung noch nicht auf. Doch viele Verbraucher reagieren bereits.
  • Entspannt Baden mit der Familie im Sommer auf Mallorca ist aus heutiger Sicht unwahrscheinlich. Foto: Julian Stratenschulte
Badeurlaub an der Adria, Wandern in Österreich oder nur mal eine kleine Städtetour nach Paris – was davon in diesem Sommer möglich sein wird, ist noch völlig unklar. Dass die Corona-Pandemie alle Osterurlaubspläne über den Haufen geworfen hat, ist von den meisten noch als alternativlos akzeptiert worden. Aber was wird, wenn Auslandsreisen auch in der Hauptferienzeit von Juni bis August noch nicht möglich sind, wenn ganz Deutschland im Sommer zu Hause bleiben muss? Weil das Thema so brisant ist, wagte zunächst keiner eine Prognose, ob das so kommen kann.

Mittlerweile hat sich das geändert. Nach Einschätzung des Tourismusbeauftragten der Bundesregierung, Thomas Bareiß (CDU), wird dieses Jahr der Sommerurlaub wahrscheinlich eher in Deutschland stattfinden. Bundesaußenminister Heiko Maas (SPD) geht noch nicht so weit. „Solange es Ausgangssperren gibt in vielen Ländern, wird dort auch kein Urlaub zu machen sein“, sagt er zwar, fügt aber hinzu: „Wir werden das von Woche zu Woche entscheiden.“

Maas ist derjenige, der den Hebel in der Hand hat, um das Startsignal für den Sommerurlaub im Ausland zu geben. Er hatte Mitte März für alle Länder dieser Welt eine Reisewarnung für Touristen ausgegeben. Für eine Aufhebung müsste eine ganze Reihe von Bedingungen erfüllt sein. Zunächst einmal müssten touristische Reisen innerhalb Deutschlands wieder ermöglicht werden. Bis zum 3. Mai gilt: Im Inland sollen selbst überregionale Tagesausflüge unterlassen werden, die Hotels sind geschlossen. Am 30. April soll neu entschieden werden. Zudem müssten die Grenzen für den Reiseverkehr geöffnet und Flugverbindungen wieder aufgenommen werden. Dafür wünscht sich Maas eine europäische Abstimmung. Das wird nicht ganz einfach: Bei der Schließung der Grenzen handelten die EU-Mitgliedstaaten zunächst auf eigene Faust. EU-Kommissionschefin Ursula von der Leyen machte jüngst wenig Hoffnung auf eine Rückkehr zum kontrollfreien Reiseverkehr in Europa.

Es muss sicher sein, dass Auslandsreisende auch ohne Probleme wieder zurückkommen können. Denn die Rückholung des Auswärtigen Amts von mehr als 240 000 wegen der Corona-Krise gestrandeten Touristen soll eine Ausnahme bleiben. Letztlich hängt alles davon ab, wie sich die Situation in den Hauptreisezielen entwickelt. Und da sieht es derzeit düster aus (siehe Infokasten).

Auch große Veranstalter in Deutschland geben die bis Oktober laufende Sommereisesaison noch nicht verloren – das gilt auch für das wichtige Auslandsgeschäft. Branchenprimus Tui gibt sich optimistisch. „Wir gehen davon aus, dass wir im Hochsommer Gäste in verschiedene Urlaubsziele fliegen werden“, sagt ein Konzern-Sprecher.

Derzeit laufen die Vorbereitungen. Tui stehe in engem Austausch mit den Regierungen auch in den Urlaubsländern und entwickle mit Hotelpartnern umfangreiche Sicherheits- und Hygiene-Standards. Das gelte auch für die Kreuzfahrtschiffe und Flugzeuge des Konzerns.

Auch der Veranstalter FTI ist davon überzeugt, dass die Deutschen nach der langen Zeit zu Hause sicher so schnell wie möglich verreisen wollen, vielleicht sogar mehr denn je. Dafür wäre aber eine rasche Entscheidung über ein mögliches Ende der Reisewarnung „hilfreich und wünschenswert“.

Die Verbraucher sind indes gespalten: Nach dem ARD-„Deutschlandtrend“ haben 14 Prozent der Deutschen ihren Urlaub bereits storniert, 21 Prozent haben geplante Buchungen verschoben. 28 Prozent halten noch an ihren Reiseplänen fest. 31 Prozent hatten nicht vor, zu verreisen. Michael Fischer und Friederike Marx
© Südwest Presse 20.04.2020 07:45
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