Bundesliga bereit für den Tag X

Wann wird die Saison fortgesetzt? Deutsche Fußball Liga und Profi-Klubs nennen keinen fixen Starttermin. Der Ball liegt im Feld der Politik. Sie muss nun entscheiden. Immerhin sind drohende Pleiten vorerst abgewendet.
  • Sport Bilder des Tages 200422 General view of the football pitch during a training session as the coronavirus, COVID-19, outbreak continue on April 22, 2020 in Oslo. Photo: Vegard Wivestad Grott / BILDBYRAN / kod VG / 170490 bbeng fotboll football fotball soccer trening träning training practice norge norway coronavirus covid-19 virus corona genre *** 200422 General view of the football pitch during a training session as the coronavirus, COVID 19, outbreak continue on April 22, 2020 in Oslo Photo Vegard Wivestad Grott BILDBYRAN code VG 170490 bbeng football football soccer soccer training training practice norway norway coronavirus covid 19 virus corona genre, PUBLICATIONxNOTxINxSWExNORxAUT Copyright: VEGARDxWIVESTADxGRoTT BB200422VG017 Foto: VEGARD WIVESTAD GRoTT/imago-images
Christian Seifert zog erst die Augenbrauen hoch, dann legte der Chef der Deutschen Fußball Liga (DFL) Nachdruck in seine Stimme. „Wir werden auf einem Spielfeld nicht 1,5 m Abstand halten können. Dennoch wollen wir das bestmögliche Maß an Sicherheit gewährleisten“, sagte Seifert bei der Vorlage des umstrittenen Plans zum Saison-Neustart inmitten der Corona-Pandemie: „Wenn man dieses Konzept ablehnt, dann ist klar, dass man wahrscheinlich auch in einigen Monaten nicht spielen kann. Dann wäre die Bundesliga ein Kollateralschaden der Corona-Krise.“

Obwohl Seifert dieses düstere Bild bei einer negativen Entscheidung der Politik malte, konnte der 50-Jährige nach der virtuellen Krisensitzung der 36 Klubchefs am Donnerstag auch positive Nachrichten verbreiten: Die Klubs wären für einen Neustart am 9. Mai bereit – und die finanziell angeschlagene Vereine sind nicht mehr akut von der Pleite bedroht, da die Rechte-Inhaber die Mediengelder im Mai überweisen werden. Ob es tatsächlich die rund 300 Millionen Euro werden, ist allerdings nicht sicher.

Fußballer bleibt Bittsteller

„Wir haben Vereinbarungen mit fast allen Medienpartnern erzielt. Damit ist die Liquidität der Klubs bis zum 30. Juni gesichert. Wenn die Saison nicht zu Ende gespielt werden kann, wird es um Rückzahlungen gehen. Dann wird es wirtschaftliche Engpässe möglicherweise später geben“, sagte Seifert: „Ob es Abschläge gibt, hängt davon ab, wie die Saison zu Ende gespielt wird und ob es Effekte auf die Wertigkeit gibt.“

Den Klubs von Liga eins und zwei bleibt im Kampf um die Existenz sowieso nur die Rolle des Bittstellers, die Entscheidung fällt am Donnerstag kommender Woche in Berlin. Ob sich die Befürworter oder die Gegner einer Fußball-Sonderrolle durchsetzen, erscheint vor der Konferenz von Bundeskanzlerin Angela Merkel mit den Länderchefs offen.

Die Vereine können mit Blick auf die anvisierten Geisterspiele auf das Wohlwollen zahlreicher Ministerpräsidenten und des Gesundheitsministers Jens Spahn (CDU) bauen. „Ich kann mir vorstellen, dass wir uns von Spieltag zu Spieltag entwickeln“, hatte Bayerns Ministerpräsident Markus Söder vor den Gesprächen der Vereinsbosse gesagt. Der CSU-Politiker machte aber klar, dass er dem Fußball trotz des „detaillierten Konzepts“ keinen „Blankoscheck“ inmitten der Corona-Pandemie ausstellen will.

Klar ist nach wie vor: Die Liste der Bedenkenträger ist ohnehin lang. So steht hinter der Unterstützung durch das Robert-Koch-Institut ein Fragezeichen, zahlreiche Gesundheitsexperten sind skeptisch. Ein gerichtliches Vorgehen anderer Sportarten gegen die „Lex Fußball“ scheint möglich, verschiedene Interessengruppen sehen ein gesellschaftliches Konfliktpotenzial. Die Sicherheitsbedenken sind nicht ausgeräumt, und selbst große Teile der Fans sehen einen Wiederbeginn kritisch.

Um die Zweifel zu beseitigen, hat sich die DFL-Taskforce unter Leitung von Nationalmannschaftsarzt Tim Meyer mächtig ins Zeug gelegt. Auf 41 Seiten wurde das Prozedere zur Saison-Fortsetzung geregelt. Maximal rund 300 Menschen auf dem Stadiongelände, Einteilung in Zonen, Fragebögen zur Risikominimierung – all diese Vorschriften sind enthalten.

Die Spieler werden engmaschig getestet, sollte es tatsächlich wieder losgehen, mindestens einmal pro Woche. Bis zu 20 000 Tests seien bis Ende der Runde nötig. Dieses Tests belasteten aber nicht das nationalen Gesundheitssystem, sie gingen nicht auf Kosten des Gesamtkontigents der zur Verfügung stehenden Test in Deutschland, verspricht die Liga. Das hätten Experten versichert. Ziel der DFl sei es nach wie vor, die derzeit ausgesetzte Saison bis zum 30. Juni mittels Geisterspiele und einiger englischer Wochen zu Ende zu spielen. Notfalls könnte aber auch bis in den Juli hinein, gespielt werden, sagte Seifert.

Er wehrte sich gegen Kritik an den Neustart-Plänen des deutschen Profifußballs. Wie auch andere Firmen in der Corona-Krise sei die Deutsche Fußball Liga ein Unternehmen, „das zurückkehren möchte und irgendwann zurückkehren muss“, sagte Seifert

Die Fußballpofis werden darauf vorbereitet, dass ihr Auftreten von großer Bedeutung ist. „Wir bitten dringend um vorbildliches Verhalten bezüglich der Hygiene- und Isolierungsmaßnahmen außerhalb des Spielfeldes“, heißt es in dem Entwurf. Zudem wird aufgeführt, wie sich die Vereine bei einem positiven Test verhalten sollen: „Keine automatische Meldung eines positiven Falles an die Presse, da Krankheitsverifizierung sowie die klare Dokumentation der vermutlichen Übertragungswege im Vordergrund stehen.“ dpa/mut
© Südwest Presse 24.04.2020 07:45
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