Kommentar Carsten Muth über DFL-Chef Christian Seifert

Ein Glücksfall

  • Carsten Muth. Foto: Volkmar Könneke
Artig lobte Christian Seifert im Anschluss an die Videokonferenz mit den Vertretern der 36 Profiklubs die Manager in Politik und Gesundheitssystem, die Deutschland bislang so professionell durch die Krise geführt hätten. Diesen Frauen und Männern gebühre großer Dank. Anerkennung verdient auch der Chef der Deutschen Fußball Liga selbst. Wie der 50-Jährige sein Schiff durch diese schwierigen Zeiten manövriert, kann sich sehen lassen. Mehr noch: Seifert hat sich in der Corona-Krise als Glücksfall für den Profifußball entpuppt.

Der Mann spricht nicht nur angenehm druckreife Sätze, die nicht gestelzt klingen. Wohltuend ist auch, dass der frühere Vorstandsvorsitzende von Karstadt-Quelle erst gar nicht den Versuch unternimmt, den Profibetrieb als eine Art Wohltätigkeitsverein fürs Volk zu verkaufen. Seifert nennt die Dinge beim Namen. Nüchtern und sachlich. So bezeichnet er den professionellen Fußball als das, was er ist: Ein Produkt, das es zu verkaufen gilt. Kalt und empathielos wie mitunter manch anderer Vertreter der Liga wirkt der 50-Jährige dabei nicht.

Seiferts Ausführungen sind schlicht der Lage angemessen. Die Lage ist ernst, aber nicht vollends hoffnungslos. Auch das vermag der DFL-Boss gut zu vermitteln – ohne sich dabei wie jemand aufzuführen, der seine eigene Rolle überschätzt. Seifert weiß: Ein wenig Demut tut gut. Am längeren Hebel sitzt die Politik. Es sich mit ihr zu verscherzen, wäre töricht.
© Südwest Presse 24.04.2020 07:45
476 Leser
Ist dieser Artikel lesenswert?
Kommentar schreiben
Zu diesem Artikel wurden noch keine Kommentare geschrieben.

Anmeldung zum E-Mail-Newsletter aus der Redaktion

Die wichtigsten und interessantesten Meldungen des aktuellen Tages aus der Redaktion direkt in Ihr E-Mail-Postfach – täglich und kostenlos jeden Abend.

Jetzt kostenlos anmelden

Aktuelle Meldungen direkt auf Ihr Handy