Land am Rand

Unkraut-Äcker gesucht

Mal eine andere Herausforderung: Bei diesem Wettbewerb sind nicht die schönsten Ackerfurchen oder die größten Spritzgeräte gefragt. Bei der mittlerweile vierten Ackerwildkraut-Meisterschaft zählt anderes. Das Regierungspräsidium Tübingen sucht die artenreichsten Getreideäcker. Mitmachen dürfen diesmal die Landwirte in den Kreisen Reutlingen und Alb-Donau, Anmelden geht noch bis 21. Mai.

Einst wäre so ein Wettstreit rufschädigend gewesen. Hat man auf einem Getreideacker doch erwartet, dass Getreide wächst. Was sonst so hochkam, nannte sich Unkraut und wurde weggespritzt.

Klatschmohn und Kornblume, Venuskamm, Adonisröschen, Unechtes Tännel-Leinkraut und noch hunderte andere Wildkräuter sind deswegen selten geworden oder fast ausgerottet. Alles Arten, die sich an den Ackerbau angepasst haben und mit extensiv bewirtschafteten Getreidefeldern als Lebensraum gut zurecht kommen. Die Intensivierung mit Herbizideinsatz und viel Stickstoffdünger brachte Wildkräuter auf die Rote Liste. Kommen sie aber nicht mehr vor, fehlen sie zum Beispiel als Nahrungs- und Wirtspflanzen für Insekten oder zum Schutz der Böden.

Hoffentlich kommt die Unkraut-Meisterschaft gut an. Viele Landwirte sind ganz ohne Titelehren ja auch schon dabei. Sie spitzen Teilflächen nicht, lassen Ackerränder und Raine wuchern und säen weniger dicht. Damit Wildkräuter, Insekten und Vögel auch was von der Kulturlandschaft haben. Und Städter sich das Motzen sparen können. Alfred Wiedemann
© Südwest Presse 24.04.2020 07:45
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