Coronavirus Deutschland

Schutzfilter für die Passagiere

Saubere Innenraumluft in Fahrzeugen ist seit der Pandemie ein großes Thema. Das Virus lässt sich zwar nicht aussperren. Doch das macht nichts, glauben Experten.
  • Was aus den Luftdüsen so alles rauskommt, ist immer mehr Autofahrern wichtig. Foto: Volvo
Was ist 500mal kleiner als der Durchschnitt eines Haares? Genau: Das Coronavirus. Wenn es draußen herumfliegt, könnte es dann nicht auch ins Innere eines Autos gelangen und dort Menschen infizieren? Theoretisch ja. Es gibt keinen Filter, der das Virus auf dem Weg zum Autoinsassen komplett stoppt, dazu ist es zu klein „Die Gefahr, sich im Auto anzustecken, ist dennoch vernachlässigbar“, sagt Martin Klein, Chef der Innenraumfilter-Sparte beim Autozulieferer Mann+Hummel. „Da ist die Gefahr, sich die Krankheit durch Mitfahrer zu holen, sehr viel größer.“

Dies bestätigt Kommunikations-Manager Michael Schweitzer von Volvo. „Das Virus sitzt auf einem weitaus größeren Wassertropfen oder Staubkorn. Und diese werden sehr wohl herausgefiltert.“ Wenn er Menschen beim Autofahren mit Maske sehe, müsse er deshalb schmunzeln. Ein neues System bei Volvo soll bis zu 95 Prozent mikroskopisch kleiner Feinstaubpartikel von 2,5 Mikrometer Durchmesser aus der Luft holen. Darüber hinaus macht Aktivkohle Stickstoffdioxid, Ozon, Schwefeldioxid, Kohlenwasserstoffe oder chemischen Gerüche etwa von der Scheibenwaschflüssigkeit den Garaus. Auch Pollen werden abgehalten.

„Saubere Innenraumluft ist ein großes Thema“, berichtet Klein. Besonders in Asien seien durch die Luftverschmutzung in Großstädten gute Filter beim Autokauf ein „absolutes Kaufargument“. Aus China erhalte Mann+Hummel seit dem Ausbruch des Coronavirus vele Anfragen. In Deutschland drehe sich das Interesse dagegen mehr um das Eliminieren von Stickoxiden. „Der Autofahrer sitzt im Stau direkt hinter dem Auspuff des vorausfahrenden Autos. Da ist die Konzentration viel höher als etwa die für Fußgänger.“

Tesla ist auch auf diesem Gebiet Vorreiter. Der E-Autobauer hat nach eigener Auskunft bereits ein – im Vergleich zu herkömmlichen Autos – „um mehrere Hundert Mal effizienteres Filtersystem“ im Einsatz. Inspirieren ließen sich die Amerikaner von den in Krankenhäusern, keimfreien Räumen oder der Raumfahrt verwendeten Luftfilter-Systemen. Damit soll sich sogar ein militärischer Biowaffen-Anschlag überleben lassen, wirbt Tesla.

Nachteil solcher extremen Filter ist allerdings die Dichte des Materials. Damit überhaupt noch etwas durchkommt, muss der Druck höher sein, mit dem die Luft durchgeblasen wird. Zudem ist eine sehr viel größere Fläche nötig. Besonders bei kleinen Autos gibt es Grenzen. Mann+Hummel setzt deshalb elektrostatisch aufgeladene Fasern ein, wie es sie bei Staubwedeln („Staubmagnet“) im Hausputz gibt.

Volvo hat einen Partikelsensor installiert, der die einströmende Luft auf gesundheitsschädliche Substanzen hin überwacht. So registriert das System, wenn bei der Fahrt durch einen Tunnel der Anteil schädlicher Stoffe in der Luft zu hoch wird und schließt die Lüftungsdüsen des Autos automatisch. Es gibt sogar eine App, mit der der Fahrer die Innenraumluft aus der Ferne vor dem Einsteigen reinigen lassen kann. Mann+Hummel zeigt digital an, ob die Außenluft verschmutzt ist (rot) und wie es im Innenraum aussieht (grün).

Manche Filter reinigen auch, wenn Fahrer die Luft von außen völlig aussperren und auf Umluft stellen – wie es in Asien nicht unüblich ist. Dann allerdings steigt der Kohlendioxid-Anteil in der Luft und es wird einem möglicherweise schummrig – und daran ist Corona zur Abwechslung einmal nicht schuld.
© Südwest Presse 24.04.2020 07:45
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