Unterricht zwischen Biergläsern

Zeitzeugenbericht (1) Wo Schülerinnen und Schüler in der letzten Phase des Zweiten Weltkriegs lernten.

Aalen. Das Schubart-Gymnasium wurde in der letzten Phase des Zweiten Weltkriegs in ein Reservelazarett der Luftwaffe umfunktioniert. Das bedeutete: Die Schule musste geräumt werden. Wie diese letzten Kriegstage verliefen, schildert Zeitzeuge Erwin Hafner.

„Wir mussten von daheim ein Handwägele mitbringen und mit diesem die Utensilien des Naturalienkabinetts, aber auch die aus dem Physik- und Chemiesaal sowie die Bestände der Schulbücherei in die Bohlschule transportieren. Niemand scherte sich darum, wenn manches kaputt ging oder Bücher in die Straßenkandel fielen.

Der Schulunterricht wurde in verschiedene Wirtshäuser verlegt, wo morgens oft noch leere Biergläser und volle Aschenbecher für ein besonderes Fluidum sorgten. Unterrichtsbeginn war auf 7 Uhr angesetzt. Gelernt wurde so gut wie nichts, denn Lehrer wie Schüler wussten, dass spätestens um 9 Uhr wegen der Jabos die Luftschutzsirenen „akute Luftgefahr“ gaben.

Noch ein Wort zum Lazarett im SG: In den gleichen Räumen, in denen heute junge Leute über Klausuren brüten, starben im letzten Kriegsjahr blutjunge Soldaten an ihren Verletzungen. Ihre Gräber reihen sich in einer Ecke des St. Johann-Friedhofs an die der Soldaten, die im Ersten Weltkrieg gleichfalls im Lazarett der Parkschule gestorben waren.

© Schwäbische Post 28.04.2020 17:38
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