Jagd auf einen „Propheten“

Ein hanebüchener „Polizeiruf 110“ aus dem deutsch-polnischen Grenzgebiet mutet dem Zuschauer einiges zu.
Eine scheinbar unbefleckte Empfängnis, ein selbsternannter Heiliger, Exorzismen, so manches Wunder und frömmlerische ältere Frauen mit flackerndem Blick: Der neue „Polizeiruf 110“-Fall aus dem deutsch-polnischen Grenzgebiet mutet dem Zuschauer eine ganze Menge zu. Der mit vielen Untertiteln und symbolschweren Kameraeinstellungen aus der Vogelperspektive inszenierte Krimi ist ganz schön starker Tobak.

Da schneidet der religiöse Fanatiker Jonas (Tom Gronau), der sich selber nach dem Propheten Elias nennt, einer 16-Jährigen das ungeborene Kind aus dem Leib, um es vor der Spätabtreibung zu bewahren. Der Sohn eines deutschen Vaters und einer polnischen Mutter glaubt sich im Namen des Herrn unterwegs und gibt der deutschen Kommissarin Olga Lenski (Maria Simon) und ihrem polnischen Kollegen Adam Raczek (Lucas Gregorowicz) manches Rätsel auf, von denen nicht alle am Schluss des hanebüchenen Krimis „Polizeiruf 110: Heilig sollt ihr sein!“ (3. Mai, 20.15 Uhr, ARD) gelöst sind.

Warum nur hat der junge Mann das Kind per Kaiserschnitt zur Welt geholt und sich danach aus dem Staub gemacht? Das Kind, bei dem schwerste Behinderungen prognostiziert worden waren, ist wohlauf und kerngesund.

Das erstaunt nicht nur Ärzte und Polizisten, sondern begeistert auch Gläubige und Abtreibungsgegner überall im streng katholischen Polen, von dem der Film ein finster-eindimensionales Bild malt. Die junge Mutter hat bei dem dilettantischen Eingriff viel Blut verloren und stirbt kurz darauf – eine Obduktion ergibt verblüffenderweise, dass sie noch nie Geschlechtsverkehr gehabt hat. Olga Lenski und Lucas Gregorowicz machen sich auf die Jagd nach dem selbsternannten Propheten Elias, der nach weltlichen Gesetzen zum Mörder geworden ist, und tauchen tief ein in die Welt des polnischen Katholizismus.

Der Krimi ist der vorletzte Fall von Maria Simon als Kommissarin Lenski. Die 44-Jährige scheidet aus der Reihe aus, Gregorowicz (43) bleibt. Martin Weber
© Südwest Presse 30.04.2020 07:45
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