Kommentar André Bochow zur Reform der Entwicklungshilfe

Entwicklung mit Druck

  • André Bochow Foto: Thomas Koehler/photothek.net
Warum steckt Deutschland Geld für Entwicklung in Staaten, deren Führungen korrupt, autokratisch oder beides sind? Diese Frage wurde lange ausweichend beantwortet. Nun streicht Deutschland die Liste der 85 Länder zusammen, die direkt mit staatlichen Mitteln unterstützt wurden. Zu hoffen ist, dass auch China endlich von der Liste verschwindet, auch wenn es sich bei der Hilfe für das mächtige Land vor allem um Kredite handelt, die nur vermittelt werden. Wenn die deutschen Entwicklungshilfebeiträge abgerechnet werden, sind die Kredite mit dabei.

Konzentration auf Länder, die der Zusammenarbeit bedürfen und die gleichzeitig Anstrengungen hinsichtlich guter Regierungsführung, Menschenrechte, Bildung, Gesundheit und Korruptionsbekämpfung unternehmen – so das schöne Ziel. Das Problem ist: Wenn man die Kriterien sehr ernst nimmt, dann bleiben nicht viele Länder übrig. Im Musterentwicklungsland Ruanda zum Beispiel ist es mit der Meinungsfreiheit nicht weit her. Dafür wird dort tatsächlich die Entwicklung vorangetrieben und die Korruption ist fast verschwunden. Anderswo blüht die Korruption, aber die Presse ist frei. Es wird auch in Zukunft schwierige Abwägungen und schwer zu begründende Entscheidungen bei der Entwicklungszusammenarbeit geben.

Wenn tatsächlich das Wohl der Menschen in den Partnerländern im Vordergrund steht, ist es richtig, die Gießkanne wegzupacken. Es ist schon viel zu viel Entwicklungsgeld in die falschen Taschen geflossen. Und wenn von konzentrierter Zusammenarbeit deutsche Firmen profitieren, ist dagegen auch nichts einzuwenden. So lange das nicht zum eigentlichen entscheidenden Kriterium für Entwicklungszusammenarbeit wird.
© Südwest Presse 30.04.2020 07:45
461 Leser
Ist dieser Artikel lesenswert?
Kommentar schreiben
Zu diesem Artikel wurden noch keine Kommentare geschrieben.

Anmeldung zum E-Mail-Newsletter aus der Redaktion

Die wichtigsten und interessantesten Meldungen des aktuellen Tages aus der Redaktion direkt in Ihr E-Mail-Postfach – täglich und kostenlos jeden Abend.

Jetzt kostenlos anmelden

Aktuelle Meldungen direkt auf Ihr Handy