Streit um Prüfungsänderung für Lehramtsstudenten

Wissenschaftsministerin Bauer unterstützt die Idee einer Durchschnittsnote.
  • Wissenschaftsministerin Theresia Bauer (Grüne). Foto: Christoph Schmidt/dpa
Im Streit um die Fristen und Termine für Prüfungen in der Corona-Krise drohen die protestierenden Lehramtsstudenten mit Klagen, erhalten aber auch unerwartete Unterstützung aus der Landesregierung. Wissenschaftsministerin Theresia Bauer (Grüne) kann sich für das Staatsexamen eine Art Durchschnittsnote vorstellen, die aus den bisher vorliegenden Leistungen erstellt werden könnte. Auf weitere Prüfungen könne dann verzichtet werden, sagte sie am Mittwoch. Das hatten auch die Studenten in einem offenen Brief an Kultusministerin Susanne Eisenmann (CDU) gefordert.

Bauer habe Eisenmann gebeten, die Alternative „nochmals wohlwollend“ zu prüfen, sie sei „ein sinnvoller und gangbarer Weg“. Notwendig sei aber eine Verständigung in der Kultusministerkonferenz, damit Studenten bei einem Umzug an einen Studienort in einem anderen Bundesland keine Nachteile hätten.

Das Kultusministerium lehnte umgehend ab und erinnerte Bauer an eine gemeinsam getroffene Entscheidung, nach der die Prüfungen stattfinden werden und der Prüfungszeitraum neu festgelegt wird. „Eine Durchschnittsnote hingegen würde den Grundsatz der Chancengleichheit verletzen, da nicht wenigen Studierenden hierdurch Nachteile entstünden“, sagte eine Sprecherin. „Zumal es obendrein schwer vermittelbar ist, den Lehramtsstudenten Durchschnittsnoten zu geben, während die Schüler ihre Abschlussprüfungen ablegen.“ Auch gegen dieses Vorgehen gibt es allerdings Protest.

Das Ministerium hatte in der vergangenen Woche in einem Schreiben eine Frist für die Anmeldung zu den Abschlussprüfungen der angehenden Lehrkräfte angekündigt und einen zweimonatigen Prüfungszeitraum von Mitte Mai an festgelegt. Studenten müssen demnach ihre Meldung zur Prüfung beim Prüfungsamt bis zum 6. Mai bestätigen. Diese kann dann an einem noch nicht genannten Termin zwischen dem 11. Mai und 31. Juli angesetzt werden. Ohne die Bestätigung durch die Studenten würden diese automatisch für die Herbstprüfung umgemeldet, teilte das Kultusministerium mit.

„Über die Meldung entsteht das Angebot, an der Prüfung festzuhalten oder auf den nächsten Prüfungsdurchgang im Herbst zu verschieben“, sagte die Ministeriumssprecherin. „Niemand wird zur Abschlussprüfung gezwungen.“ Viele Studenten hätten darum gebeten, ihre Prüfungen wegen Bewerbungsfristen rasch ablegen zu dürfen. Man habe Wünschen Rechnung getragen, indem man die Wahl lasse, Prüfungen jetzt oder im Herbst abzulegen. Das Kultusministerium betonte: „Lehramtsstudierenden sollen keine Nachteile aus der derzeitigen Situation entstehen.“

Das sehen die Studenten anders: Eine wohldurchdachte Entscheidung sei derzeit unmöglich, kritisierte die Landesastenkonferenz (LAK) die Frist. Viele Studenten müssten Angehörige pflegen oder Kinder betreuen. Das Schreiben des Ministeriums habe Unsicherheit und Panik unter Studierenden verursacht. dpa
© Südwest Presse 30.04.2020 07:45
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