Land am Rand

Maibaum mit Toilettenpapier

Bald ist er da, der Wonnemonat Mai. Der Monat der Liebe und Fruchtbarkeit. Er erfreut uns mit sattem Grün, bunten Blumen und mit vor Kraft strotzender Natur. Die ebenso strotzenden Männer können ihre Kraft in diesem Jahr beim Maibaum-Stellen jedoch nicht zeigen. Corona fällt den Maibaum, noch bevor er aufgestellt ist.

Die feucht-fröhlichen Maifeiern, zu denen in vielen ländlichen Gebieten auch das Maibaum-Stellen gehört, müssen ausfallen. Zu hoch ist das Risiko, dass das Virus in dem Getümmel weiter verbreitet wird. So bleiben Dorf- und Marktplätze ungeschmückt.

Das könnte jedoch einer fast vergessenen Tradition Auftrieb verschaffen: Seiner Liebsten ein mit Bändern geschmücktes kleines Birkenbäumchen ans Haus zu nageln. In allen Jahren ohne 29. Februar ist das Aufgabe der verliebten Burschen im Dorf. In Schaltjahren dürfen auch Frauen und verheiratete Männer den Maien stecken.

Womit sie das Bäumchen schmücken, ist ihre Entscheidung. In Corona-Zeiten kann es auch das so wertvoll gewordene Toilettenpapier sein. Auch Nudeln sind denkbar, die sind aber etwas mühsam anzubringen. Manche denken auch daran, Gesichtsmasken an den Baum zu hängen. Falls das angebetete Mädchen von der Zuneigung des Burschen noch nichts weiß, könnten auch Zettel mit den Kontaktdaten sinnvoll sein.

Wichtig ist dann aber, den Baum nicht zu hoch zu hängen. Sonst muss der junge Mann bis Juni warten, dass seine Angebetete ihn anruft. Denn erst dann darf der Maien abgehängt werden. Petra Walheim
© Südwest Presse 30.04.2020 07:45
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