Prämie gegen die Panik

Die Forderung nach weiterer Unterstützung der Branche werden lauter. Daimler und VW kassieren ihre Jahresziele und sehen sich im „Auge des Sturms“.
  • Ein Hinweis zur „Mund-Nasen -Schutzpflicht“ hängt in der Produktionslinie für den ID.3 im Fahrzeugwerk in Zwickau. Bei VW läuft nach mehr als fünf Wochen Corona-Stillstand die Fahrzeugproduktion wieder an. Foto: Hendrik Schmidt/dpa
Bislang waren die Nachrichten aus der Automobilindustrie schlecht. Jetzt werden sie sehr schlecht. Daimler sieht sich im „Auge des Sturms“. Vor allem die Monate April bis Juli diesen Jahres seien für den Autobauer eine „große Herausforderung“, hieß es am Mittwoch. Finanzchef Harald Wilhelm warnte sogar davor, „nicht in Panik zu verfallen“.

Um die Wirtschaft nach der Krise wieder in Gang zu bringen, sei es vor allem nötig, Zuversicht im Markt zu schaffen, sagte Daimler-Chef Ola Källenius und sprach sich für eine möglichst einfache, schnelle und breite Förderung über alle Segmente hinweg aus.

Auch VW-Chef Diess fordert „baldige kraftvolle Maßnahmen“. Nach Ansicht von VW-Kernmarken-Geschäftsführer Ralf Brandstätter sollte die Bundesrepublik bei der Debatte über Auto-Kaufprämien in der Corona-Krise eine Schrittmacherrolle in der EU einnehmen: „Deutschland kann da einen Impuls setzen“. Der Konzern meldete ein „gravierend rückläufiges Ergebnis“. Der Umsatz nahm zwischen Januar und März von 60 auf 55,1 Mrd. EUR ab, der Betriebsgewinn vor Sondereinflüssen von 4,8 auf 0,9 Mrd. EUR.

Bei der VW-Tochter Porsche schrumpfte das Ergebnis aus dem operativen Geschäft im ersten Quartal um mehr als ein Drittel auf 572 Mio. EUR. Auch der Absatz fiel, beim Umsatz hingegen verbuchte Porsche noch ein Plus.

VW-Betriebsratschef Bernd Osterloh hat bereits zuvor neben der Prämie eine „zusätzliche Abwrackprämie obendrauf“ gefordert, die es für verschrottete Altautos der Abgasnormen Euro-3 und Euro-4 gibt. Der Verband der Deutschen Automobilindustrie (VDA) fordert eine Kaufprämie nicht nur für Elektro- und Hybridautos, sondern auch für Diesel- und Benzinfahrzeuge. Auch moderne Verbrennungsmotoren leisteten einen „erheblichen Beitrag für Umwelt- und Klimaschutz“, betonte VDA-Präsidentin Hildegard Müller.Bosch-Chef Volkmar Denner sagte, es seien „entsprechende Anreize wahrscheinlich nötig, um dauerhafte Schäden zu vermeiden“.

Der bayerische Ministerpräsident Markus Söder hat sich bereits mehrfach für eine umfassende Strategie ausgesprochen, um der deutschen Autoindustrie zu helfen. Sein Amtskollege Winfried Kretschmann aus Baden-Württemberg sieht dabei aber den Bund gefordert.

Umweltschutzorganisationen kritisieren dagegen Vorschläge, neben alternativen Antrieben auch Hybrid-, Benzin- oder Diesel zu bezuschussen. „Es ist nicht zielführend, Fahrzeuge zu fördern, deren Technik nicht zukunftsweisend ist“, sagte die BUND-Landeschefin Brigitte Dahlbender. „Wenn überhaupt, darf es nur eine Kaufprämie für kleine, rein elektrische Fahrzeuge geben.“

Daimler selbst hat keine direkten Hilfen nötig, unterstrich Källenius. Die Liquidität im ersten Quartal sei gut. Zwar gab es von Januar bis März große Einbußen. So stürzte der Ertrag vor Zinsen und Steuern von 2,8 Mrd. EUR auf 617 Mio. EUR regelrecht ab. Sämtliche Prognosen für dieses Jahr wurden kassiert. Der Fahrzeug-Absatz verringerte sich im Vergleich zum Vorjahresquartal von 774 000 auf 644 000. Der Konzernumsatz schrumpfte von 39,7 auf 37,2 Mrd. EUR. „Aber die Modelle GLE und GLS laufen sehr gut, wir haben eine attraktive Modellpalette“, sagte Finanzchef Wilhelm.

Es seien zudem „umfassende Maßnahmen zum Schutz des Barmittelbestands und zur Erhöhung der Flexibilität“ getroffen worden. An seinen Sparplänen, mit denen er unter anderem 1,4 Mrd. EUR allein beim Personal herausholen will, hält Källenius fest. In China und Korea gebe es wieder eine gewisse Normalität. Dennoch sei es gut möglich, dass zu einem späteren Zeitpunkt Sparmaßnahmen hinzukommen müssten. „Man sollte nicht zu optimistisch auf die Zukunft gucken“, sagte Källenius. (mit dpa)

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© Südwest Presse 30.04.2020 07:45
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