Kommentar Thomas Veitinger zum Hochfahren in China

Zartes Morgenlicht

  • Thomas Veitinger Foto: Volkmar Könnecke
China nimmt es, China gibt es: Aus dem Land kam das Virus. Jetzt ruht auf der Volksrepublik wieder die Hoffnung der Branche und unseres Landes. In China fährt die Produktion hoch, die Menschen besuchen die Showrooms der Autobauer und bestellen wieder Fahrzeuge. Bereits in der Vergangenheit war das Land der wichtigste Absatzmarkt für viele Hersteller. Aber jetzt, mitten in der tiefsten Krise in Deutschland seit dem 2. Weltkrieg, ist es das Land der Hoffnung: Es geht wieder bergauf, bei uns wird es auch dazu kommen.

Was hilft: Sowohl Daimler, als auch Bosch etwa haben es bislang geschafft, ihre Zulieferketten stabil zu halten. Der Reflex, Produktion unter allen Umständen zurück nach Deutschland zu holen, scheint nicht richtig zu sein. Globalisierung hat auch in nationalen Notsituationen seine Berechtigung. Die Lieferketten konnten aufrecht erhalten werden, weil die Unternehmen hierzulande gute Arbeit leisteten. Aber auch, weil Länder wie Italien, Spanien und eben China ein großes Interesse haben, den Warenfluss am Laufen zu halten. Es gilt, künftig kritische Abhängigkeiten in der Lieferkette zu überdenken und Alternativen in der Hinterhand zu haben. Aber eine Abschottung ist keine Lösung, sondern bedient vor allem das Gedankengut von Populisten. Durch China erscheint das erste zarte Morgenlicht am Horizont.
© Südwest Presse 30.04.2020 07:45
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