Umweltschutz trotz Pandemie

Alles dreht sich um das Virus. Nicht so bei dem Stuttgarter Technologiekonzern, für den Wasserstoff, E-Antrieb und das Internet der Dinge trotz schlechter Zahlen wichtig bleiben.
  • Mit Maske an der Maschine: Bosch wagt angesichts der Corona-Krise keine Jahresprognose. Foto: Foto Bosch
Natürlich Corona. Bosch ist von der Auswirkung des Virus extrem betroffen. Zeitweise sind 100 000 Mitarbeiter im Homeoffice. Nahezu 100 Werke weltweit sind geschlossen. Eine interdisziplinäre Eingreiftruppe stellt an sieben Tagen die Woche rund um die Uhr die Lieferfähigkeit des Technologie-Konzerns sicher. Aber irgendwie hat man bei der Bilanzkonferenz am Mittwoch den Eindruck, die Auswirkungen des Krankheitserregers sind vor allem eines – lästig. Bosch-Chef Volkmar Denner sieht jenseits von Corona den Klimawandel als bestimmendes Thema.

„Klimaschutz kostet, aber Nichtstun wird teurer. Die Haltung des Unternehmens kann nicht Resignation, sie muss Innovation sein“, betont Denner, der den zweiten Teil seines Vortrags dem Klimaschutz widmet. Nötig sei eine Technologie-Offenheit. So gebe es mehr als einen Weg zur nachhaltigen Mobilität. Neben der Batterie sei dies der synthetische Kraftstoff und vor allem der Wasserstoff. „Nötig ist ein mutiger Einstieg in die Wasserstoff-Wirtschaft“, sagt Denner. Dieser müsse jetzt erfolgen, sonst schaffe Europa die Klimaneutralität 2050 nicht.

Er fordert eine Entlastung oder gar Befreiung von Energiesteuern für Wasserstoff, eine Forschungsförderung und den Aufbau von Infrastruktur und Logistik mit flächendeckenden Wasserstoff-Tankstellen. Bosch plant die Markteinführung des Antriebs für 2022, schon 2030 könnte jedes achte neu zugelassene Nutzfahrzeug damit unterwegs sein. Pilotversuche, so Denner, reichten jedoch nicht, es seien großtechnische Anlagen zur Wasserstoffherstellung nötig.

Der Konzern will mit gutem Beispiel voran gehen und die vor einem Jahr gegebene Zusage, als erstes globales Industrieunternehmen bis Ende 2020 klimaneutral zu arbeiten, einhalten – und seine Erfahrungen an andere Unternehmen weitergeben.

Denner, der promovierter Physiker ist, hat sich noch viel mehr vorgenommen und will nicht nur das Auto etwa unter Strom setzen, sondern auch den Heizungskeller mit Wärmepumpen elektrifizieren. Für die digitale Steuerung der Energieströme zwischen Haus und Auto, Software, Internet der Dinge und Künstlicher Intelligenz bleibt am Mittwoch keine Zeit mehr, denn natürlich sind die Auswirkungen von Corona ein Riesenthema. Der Technologiekonzern sieht eine deutlich stärkere Wirtschaftskrise als während der Rezession im Jahr 2009 auf sich zukommen. „In der Automobilproduktion rechnen wir aktuell für 2020 auf Basis der bislang bekannten Effekte mit einem Minus von mindestens 20 Prozent“, sagt Denner. Es werden im Konzern größte Anstrengungen nötig sein, überhaupt nur ein ausgeglichenes Ergebnis zu erzielen. Eine Jahresprognose für den Konzern könne es angesichts der erheblichen Unsicherheiten nicht geben.

Kostenreduzierungen und die Liquiditätssicherung helfen Bosch in der derzeitigen Lage. So gibt es derzeit an vielen europäischen Standorten Arbeitszeitverkürzungen. Investitionen werden stärker geprüft und nur für das absolut Notwendige, nicht aber fürs nur Wünschenswerte, Geld ausgegeben. Zudem hat der Konzern vor kurzem eine zusätzliche Kreditlinie von 3 Mrd.EUR – ähnlich wie in der Finanzkrise 2008 und 2009 – vorsorglich vereinbart.

Natürlich forscht Bosch gegen das Virus an. Ein Covid19-Schnelltest, der nach zweieinhalb Stunden ein Ergebnis liefert, ist bereits auf dem Markt. Denner: „Während die Politik tut, wofür die Politik verantwortlich ist, muss Bosch tun, was Bosch kann.“
© Südwest Presse 30.04.2020 07:45
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