Pfingsturlaub gerettet

Nach den Vorreitern Mecklenburg-Vorpommern und Niedersachsen wirbt auch Bayern ab Ende Mai wieder um Gäste.
  • Ferien an der Ostsee: Der Strand von Warnemünde mit seinem feinen Sand ist ein beliebtes Urlaubsziel in Mecklenburg-Vorpommern. Touristen sollten aber – anders als die Menschen auf dem Foto – das Abstandsgebot einhalten. Foto: Jens Büttner/zb/dpa
Bund und Länder wollen diesen Mittwoch darüber beraten, ab wann Tourismus in ganz Deutschland wieder möglich sein soll. Einige Bundesländer haben ihre Planungen bereits vorgestellt. Antworten auf die wichtigsten Fragen.

Ist der Pfingsturlaub in Deutschland gerettet? Es sieht danach aus. Die beiden wichtigsten deutschen Urlaubsregionen Mecklenburg-Vorpommern und Bayern gehen zwar nicht ganz synchron. Da aber Hotels und Ferienwohnungen im Nordosten vom 25. Mai an wieder Gäste beherbergen können und der Süden fünf Tage später folgt, steht einem Pfingsturlaub an der Ostsee beziehungsweise in der Alpenregion nichts mehr im Weg. Zudem hat auch Niedersachsen mit seinen bei Urlaubern beliebten Nordseeinseln angekündigt, die Hotels und Pensionen vom 25. Mai an zu öffnen.

Mit welchen Einschränkungen müssen Urlauber rechnen? Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) kündigte am Dienstag an, dass es in den Hotels zunächst keine Wellnessangebote geben werde. Auf Campingplätzen bleiben die Sanitäranlagen geschlossen. Ob das zur Folge hat, dass nur Wohnwagen mit Klo und Dusche aufs Gelände gelassen werden, blieb offen. Wie in Bayern, so gelten auch bei Ferienreisen nach Mecklenburg-Vorpommern strenge Hygienevorschriften und Kontaktbeschränkungen.

Werden andere Bundesländer nachziehen? Damit ist zu rechnen. Bei der Konferenz am Mittwoch über weitere Lockerungen in der Corona-Krise waren die Themen Gaststätten und Tourismus ursprünglich nicht eingeplant. Doch nun sollen auch „Perspektiven“ für den Fremdenverkehr geprüft werden. Favoriten für baldige Hotel-Öffnungen sind Sachsen-Anhalt, wo Ferienwohnungen ab 15. Mai wieder genutzt werden dürfen, sowie Sachsen und Schleswig-Holstein. Von Seiten der Bundesregierung heißt es, man halte zwar generell an einer gemeinsamen Öffnungsstrategie fest. Aber es spreche nichts gegen „regionale, lokale Nuancen“.

Welcher Schaden ist der heimischen Tourismuswirtschaft bisher entstanden? Beim Bundesverband der Deutschen Tourismuswirtschaft beziffert man den Umsatzverlust des Gastgewerbes bis Ende April auf rund zehn Milliarden Euro. Etwa eine Million Beschäftigte seien in Kurzarbeit. Hinzu kommen Umsatzeinbußen bei Reiseveranstaltern und Reisebüros von fünf Milliarden Euro.

Werden die Verluste wieder aufzuholen sein? Das ist sehr unwahrscheinlich. In der Branche geht man davon aus, dass die Auslastung von Hotels und Pensionen noch lange Zeit künstlich begrenzt bleiben wird. Auch ist unklar, wann wieder ausländische Gäste ins Land gelassen werden. Sie sorgen in normalen Jahren für etwa 15 Prozent des Umsatzes. Vielen Hotelbetreibern und Gastronomen werde es schwerfallen, in diesem Jahr „betriebswirtschaftlich auf einen grünen Zweig zu kommen“, befürchtet der Hauptgeschäftsführer des niedersächsischen Hotel- und Gaststättenverbands, Rainer Balke. Lars Schwarz, sein Amtskollege aus Mecklenburg-Vorpommern, hofft aber, dass „die schwärzesten Stunden“ der Branche bald vorbei sind.

Ist Sommerurlaub in Deutschland die einzige realistische Option? Nein. So strebt Österreich eine zwischenstaatliche Vereinbarung mit Deutschland an, um bald wieder Touristen aufzunehmen. Dänemark fasst eine Grenzöffnung Mitte Mai ins Auge, und Griechenland wirbt um deutsche Touristen ab 1. Juli. Noch steht all dem die weltweite Reisewarnung entgegen, die für Bundesbürger seit Mitte März gilt. Aber Bundesaußenminister Heiko Maas hat angekündigt, dass diese bei einem weiteren Rückgang der Infiziertenzahlen Schritt für Schritt zurückgenommen werden könnte.
© Südwest Presse 06.05.2020 07:45
446 Leser
Ist dieser Artikel lesenswert?
Kommentar schreiben
Zu diesem Artikel wurden noch keine Kommentare geschrieben.

Anmeldung zum E-Mail-Newsletter aus der Redaktion

Die wichtigsten und interessantesten Meldungen des aktuellen Tages aus der Redaktion direkt in Ihr E-Mail-Postfach – täglich und kostenlos jeden Abend.

Jetzt kostenlos anmelden

Aktuelle Meldungen direkt auf Ihr Handy