Glosse

Totgesagte leben länger

  • Der Rapper Tupac Shakur im Wachsfigurenkabinett. Foto: afp
Ostern ist eigentlich um , dennoch findet gerade allerorten Wiederauferstehung statt. In den USA etwa hat der für tot gehaltene Rapper Tupac Shakur ein Lebenszeichen von sich gegeben. Anstatt, wie viele vermuteten, gemeinsam mit Elvis und Apple-Gründer Steve Jobs (der wurde kürzlich in Ägypten gesichtet) Cocktails am Strand zu schlürfen, hat er Arbeitslosengeld in Connecticut beantragt. Corona verschont auch wiederbelebte Gangsterrapper nicht.

In Deutschland fördert die Coronakrise ebenfalls Totgeglaubte wieder zu Tage. So haben die Ministerpräsidenten Weil, Kretschmann und Söder, bekannt aus „Die drei von der Tankstelle“, eine Wiederauflegung der Abwrackprämie gefordert. Ob die drei Regierungschefs auf der nächsten Automobil-Ausstellung auch gemeinsam untergehakt „Ein Freund, ein guter Freund“ darbieten werden, war bis Redaktionsschluss unklar.

Sicher belegt hingegen ist der Unterhaltungswert von Gregor Gysi. Da passt es ins Bild, dass der Linken-Politiker ebenfalls reanimiert wird. Anstatt dem Ruhestand entgegenzureiten, darf sich der Realo nun als außenpolitischer Sprecher seiner Fraktion mit Kollegen herumschlagen, die lieber mit Putin und Maduro einen Cocktail schlürfen würden als mit Elvis oder Jobs. So verfestigt sich insgesamt der Eindruck, dass eine Abwrackprämie für überholte Überzeugungen sich ebenfalls hier und da als ganz nützlich erweisen könnte. Igor Steinle
© Südwest Presse 06.05.2020 07:45
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