Fußball

Ein Querschuss zur Unzeit vor dem Tag der Entscheidung

Die DFL hofft am Mittwoch auf grünes Licht für die Fortsetzung der Bundesliga-Saison – trotz des Video-Eklats von Salomon Kalou.
  • Hat mit seinem Internet-Video den sicheren Sektor verlassen: Hertha-Profi Salomon Kalou. Foto: Andreas Gora/dpa
An diesem Mittwoch erhofft sich der deutsche Profifußball von der Bundesregierung und den Ministerpräsidenten grünes Licht für die Fortsetzung der ersten und zweiten Liga. Nicht nur die Milliardenbranche Bundesliga wird aufatmen, sollten die Vereine demnächst wieder – unter Ausschluss der Öffentlichkeit – spielen dürfen. Auch für andere Sportarten wird die Entscheidung wegweisend sein.

Dass ausgerechnet zum jetzigen Zeitpunkt ein Video des Hertha-Profis Salomon Kalou im Netz auftauchte, in dem deutlich wurde, dass es der Hauptstadtklub mit den von der Deutschen Fußball-Liga (DFL) erarbeiteten Hygienevorschriften nicht so genau nimmt, ist für DFL-Boss Christian Seifert, Karl-Heinz Rummenigge, Horst Watzke und Co. ein fataler Querschuss zur Unzeit.

Zuletzt hatte Nationalmannschafts-Arzt Tim Meyer, gleichzeitig auch Leiter der DFL-Taskforce Sportmedizin/Sonderspielbetrieb, mehrfach erklärt, dass von Profis und Vereinen „extreme Disziplin“ erforderlich ist. „Wenn diese Disziplin nicht eingehalten wird, dann kann das beste Konzept ins Wanken geraten“, mahnt Meyer.

Kalous Video zeigt jedoch nicht nur Hygiene-Verstöße gegen das DFL-Konzept (Händeschütteln, mangelnde Schutzausrüstung ...). Es vermittelt zudem den Eindruck, als sei Corona in Spielerkeisen eher ein Spaßthema – wären da nicht die Gehaltseinbußen. Dabei kann sich der Fußball in der momentan hochsensiblen Diskussion um eine Sonderrolle ein solches Verhalten nicht leisten. Beobachter stellen sich die Frage, ob hochbezahlte Profis tatsächlich den Vorzug vor jenen bekommen sollen, die derzeit beruflich erhebliche Geldeinbußen erleiden oder sich für die Gesundheit anderer aufopfern.

Weniger Neuinfektionen

Trotzdem hofft die DFL, dass bei entsprechendem Votum der Ball schon am 15. Mai, spätestens aber in zweieinhalb Wochen wieder rollen kann. Anlass zu vorsichtigem Optimismus geben zudem die sinkenden Zahlen der Neuinfektionen mit dem Erreger Sars-CoV-2, die das Robert-Koch-Institut am Dienstag verkündete.

Die Zeichen, dass es im Profiußball demnächst weiter geht, stehen nicht schlecht. Die Ministerpräsidenten haben einen Konsens für eine Fortsetzung erzielt. Neben den Länderchefs und der Sportministerkonferenz sind auch der für den Sport zuständige Innenminister Host Seehofer (CSU) und Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) vom DFL-Konzept überzeugt.

„Das grundsätzliche Konzept macht Sinn und kann auch Vorbild sein für andere Profisport-Bereiche“, sagte Spahn im Deutschlandfunk. Es müsse aber „auch gelebt werden“, mahnte Spahn mit Blick auf die Vorfälle bei Hertha BSC. Er hoffe, „dass jetzt alle verstanden haben, dass es hier um etwas geht.“

Nach Ansicht von Dagmar Freitag (SPD), der Vorsitzenden des Sportausschusses im Bundestag, habe im Fall Kalou auch der Verein versagt. „Es ist aus meiner Sicht schlichtweg ein Skandal, dass niemand eingreift, wenn die simpelsten Regeln missachtet werden“, sagte sie der „Rheinischen Post“. Auch Hessens Innenminister Peter Beuth (CDU) nimmt vor allem die Klubs in die Pflicht: „Das Video zeigt, dass die Vereine dringend auf ihre Profispieler zugehen müssen.“

Hertha-Profi entschuldigt sich

Salomon Kalou hat nach dem Eklat um sein Facebook-Video indessen alle Schuld auf sich genommen und sich für sein Verhalten enschuldigt. Er könne verstehen, dass die Menschen auf ihn wütend seien, sagte der 34-Jährige, der von Hertha BSC bis auf weiteres suspendiert wurde und dessen Vertrag zu Saisonende ausläuft. Unklar, wie es mit ihm bei Hertha weitergeht. „Das Video hätte ich niemals machen dürfen. Es war respektlos, und dafür möchte ich mich aufrichtig entschuldigen. Aber ich bin mehr als diese fünf schlechten Minuten, die man dort von mir in der Kabine sieht. Die Menschen, die mich kennen, wissen, dass ich alle respektiere und niemanden in Schwierigkeiten bringen wollte“, sagte der Ivorer.

Salomon Kalou verwies zudem auf seine Stiftung, mit der in seiner Heimat Elfenbeinküste im Kampf gegen den Coronavirus Krankenwagen und Krankenbetten finanziert werden. „Wir haben auch Videos aufgenommen, in denen ich den Menschen erklärt habe, warum sie zu Hause bleiben müssen.“ (mit dpa, sid)
© Südwest Presse 06.05.2020 07:45
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