Kommentar Alexander Bögelein zur Staatshilfe für die Lufthansa

Legitime Forderung

  • Alexander Bögelein Foto: Martin Ebert
Für Carsten Spohr ist es eine ärgerliche Situation. Der Lufthansa-Chef macht zweifelsfrei einen guten Job. Europas größte Fluggesellschaft war bis vor kurzem ein solides und ertragreiches Unternehmen. Doch die Corona-Pandemie zerstört die erfolgreiche Entwicklung – seit der Privatisierung der Airline vor 23 Jahren – mit einem Schlag. Der Konzern ist ohne eigenes Verschulden in eine Existenzkrise geschlittert. Umsatz und Börsenwert haben sich pulverisiert. Das macht die Lufthansa zum Leichtgewicht. Weil andere Staaten ihren Airlines helfen, drohen zudem Wettbewerbsverzerrungen.

In dieser dramatischen Situation hat Spohr hoch gepokert, fabulierte gar, ihm sei ein Schutzschirmverfahren mit einer Insolvenz in Eigenverwaltung lieber als zu viel staatlicher Einfluss. Als erfahrener Pilot müsste er wissen, dass Irrflüge mit großen Risiken verbunden sind. Nur gut, dass er auf der Hauptversammlung sachlichere Töne angeschlagen hat. Bei aller verständlichen Ablehnung gegen einen Einfluss des Staates sollte Spohr klar sein: Aktionäre und Gläubiger müssen sich an den Rettungskosten beteiligen. Und es ist legitim, dass der Staat im Gegenzug für eine Milliarden-Finanzspritze ein Aktienpaket und Mitsprache im Aufsichtsrat erhält. Die Zeiten, in denen Gewinne privatisiert und Verluste sozialisiert werden, sind vorbei.
© Südwest Presse 06.05.2020 07:45
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