Eine andere Bedeutung

Zu bezahlbarem Wohnraum

Thilo Rentschler spricht über „bezahlbaren Wohnraum“... Verzeihung, wenn ich bezweifle, dass dieser Herr weiß, wovon er spricht... Für mich als „relativ mittellose Rentnerin“ bedeuten diese beiden Worte mit Sicherheit etwas Anderes als für Herrn R. Ich kann 34 Arbeitsjahre in Vollzeit aufweisen – leider weder in der Optikbranche noch bei Metall. Sonst wäre dieser Leserbrief tatsächlich überflüssig ...
Ich bezweifle, dass diejenigen, die jetzt eine Rentenerhöhung von etwa 50 Prozent mehr bekommen als wir in der BRD, die hier regelmäßig Steuern abgeliefert haben, und dies nicht erst seit 1989, diese Erhöhung verdient haben. Die jetzt 30-Jährigen sind in ein Land gekommen, „wo Milch und Honig fließen ...“... Das haben sie im Westfernsehen so vermittelt bekommen. Die Unterstützung derer, die mit Kind und Kegel hier auftauchen und von unserer Regierung (die ich nicht gewählt habe!) gepusht werden, dass sie uns auslachen, sogar noch deftige finanzielle Unterstützung für Kinder erhalten, die im Ausland leben (Syrien, etc.), sehe ich wirklich nicht ein - solange ich keinen bezahlbaren Wohnraum bekomme.

Herr Rentschler oder wie die anderen Herren alle heißen, kann „bezahlbaren Wohnraum“ sicher nicht definieren.

Iris Massopust

© Schwäbische Post 06.05.2020 22:46
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Kommentare

Harald Seiz

Lasttime schrieb am 07.05.2020 um 16:30

Hallo Frau Massopust,

doch - Herr OB Rentschler kann sozialen Wohnungsbau definieren. Aber: Definition heißt nicht Erkenntnis und Umsetzen. Am sozialen Wohnungsbau ist nichts verdient. Gebaut werden Eigentumswohnungen, überall, das neue Gesicht Aalens der Mittel- und Oberschicht. Das sind die schönen Flachdach-Betonhäuser mit großem Balkon, 2-4 Zimmer-Wohnungen zu teuersten Preisen mit Blick über die Stadt. Zum Verkauf an Privat oder Investoren, die teuerst vermieten. Die Mieten sind nur für Gutsituierte finanzierbar, für andere, für die Mittelschicht, die Unterschicht gibt es nichts zu mieten. Für Frauen, frisch geschieden weil der Mann fremdging, die jetzt mit ihren 2 Kindern eine günstige Wohnung suchen - gibt es nichts. Für Rentner, die nun, im Gegensatz zu vorher, mit einer kleineren Rente leben und umziehen müssen - gibt es nichts. Darum hat sich OB Rentschler bisher nicht gekümmert. Ich denke aber, daß im Herbst/Winter, nach der Corona-Krise, Verschuldungen durch Kurzarbeit, Verlust der Arbeitsstelle, viele Menschen ihre Wohnungen nicht mehr bezahlen können und durch Wohnungskündigungen, Räumungsklagen Herr OB Rentschler im Jahr 2021 vor der Realität steht und seine Bürger, die einmal teure Mietwohnungen hatten, sie nicht mehr finanzieren können, durch Räumungsklagen wegen fehlener Mietzahlung auf den Straßen Aalens übernachten sehen wird. 

Sie sehen das völlig richtig, lieber Lasttime. Weil Sie das Problem im Gegensatz zu den vorhergehenden Kommentierern differenziert sehen. Ja, es wird viel gebaut. Nicht nur in Aalen, sondern auch in Gmünd. Was aber gebaut wird, sind überwiegend relativ hochpreisige Wohnungen für die obere Mittelschicht und dafür bestand in der Tat auch eine entsprechende Nachfrage. Aber durch den Bauboom konnten die Handwerker höhere Preise verlangen, was auf die von den Bauträgerfirmen geforderten Preise für Mieten und Eigentumswohnungen durchschlug. Mittlerweile liegen die Preise für gehobene Einliegerwohnungen so hoch, dass z. B. die Bauträgerfirma für das geplante Projekt auf dem Grundstück des ehemaligen Gasthauses Römerkastell nicht genügend Käufer finden kann, um das Projekt vorzufinanzieren. Und das, obwohl sich heutzutage jeder vernünftige Mensch aufgrund der unseriösen Ankaufprogramme der EZB (von z. B. italienischen Staatsanleihen auf Ramschniveau) und der schon jetzt real existierenden europäischen Schuldenunion Sorgen um sein Geldvermögen machen sollte. Trotz der (vernünftigen) Flucht in Sachwerte scheint mir auch im Segment für "gehobenen" Wohnraum allmählich das Ende der Fahnenstange gekommen zu sein, zumal es heute klüger ist, auf die im Zuge der Corona-Krise zu erwartenden Schnäppchenpreise bei Zwangsversteigerungen zu warten.

Bezahlbarer Wohnraum für Normalverdiener, junge Familien oder gar alleinerziehende Frauen war und bleibt infolge der unsozialen Politik unseres OBs Mangelware, der lieber die umweltschädliche Bebauung der Talränder mit teuren Protzbauten fördert als den sozialen Wohnungsbau. Hinzu kommt, dass Gmünds OB Arnold auch noch überobligatorisch viele überwiegend von Transferzahlungen lebende Migranten aufgenommen hat, die jetzt um preiswerten Wohnraum konkurrieren.

Lasttime

Hallo Frau Massopust,

doch - Herr OB Rentschler kann sozialen Wohnungsbau definieren. Aber: Definition heißt nicht Erkenntnis und Umsetzen. Am sozialen Wohnungsbau ist nichts verdient. Gebaut werden Eigentumswohnungen, überall, das neue Gesicht Aalens der Mittel- und Oberschicht. Das sind die schönen Flachdach-Betonhäuser mit großem Balkon, 2-4 Zimmer-Wohnungen zu teuersten Preisen mit Blick über die Stadt. Zum Verkauf an Privat oder Investoren, die teuerst vermieten. Die Mieten sind nur für Gutsituierte finanzierbar, für andere, für die Mittelschicht, die Unterschicht gibt es nichts zu mieten. Für Frauen, frisch geschieden weil der Mann fremdging, die jetzt mit ihren 2 Kindern eine günstige Wohnung suchen - gibt es nichts. Für Rentner, die nun, im Gegensatz zu vorher, mit einer kleineren Rente leben und umziehen müssen - gibt es nichts. Darum hat sich OB Rentschler bisher nicht gekümmert. Ich denke aber, daß im Herbst/Winter, nach der Corona-Krise, Verschuldungen durch Kurzarbeit, Verlust der Arbeitsstelle, viele Menschen ihre Wohnungen nicht mehr bezahlen können und durch Wohnungskündigungen, Räumungsklagen Herr OB Rentschler im Jahr 2021 vor der Realität steht und seine Bürger, die einmal teure Mietwohnungen hatten, sie nicht mehr finanzieren können, durch Räumungsklagen wegen fehlener Mietzahlung auf den Straßen Aalens übernachten sehen wird. 

derleguan

Helmut Wimmer schrieb am 07.05.2020 um 14:08

Gibt es bei uns neue, leerstehende Wohnungen, die sich schlecht vermieten lassen?

Ja diese nagelneuen Wohnungen gibt es Reihenweise. Entweder gehen die Eigentümer dann, wenn sie keine zahlungskräftigen Mieter finden, mit der Mietforderung nach unten. Oder typischerweise werden diese Wohnungen und Häuser gar nicht zur Vermietung angeboten. Sie setehen leer wie z.B. auf Sylt. Servicepersonal, Gartenpfleger, Putzdienste kommen mit dem Zug vom Festland und fahren abends auch wieder dahin zurück. Die Reichen werden doch seine schönen Wohnungen nicht von Mietern runterwohnen lassen.

Helmut Wimmer

derleguan schrieb am 07.05.2020 um 12:28

 "Die Nachfrage nach Wohnungen und Häuser ist schlicht und einfach vorhanden"

Die Nachfrage ist nicht schlicht und einfach vorhanden, sondern weil unser kapitalistisches Wirtschaftssystem es zulässt, dass die reiche Leute immer reicher werden und im Moment nicht mehr wissen wie sie ihr Geld "retten" sollen, außerhalb einer Geldanlage in Aktien oder eben Immobilien.

Gibt es bei uns neue, leerstehende Wohnungen, die sich schlecht vermieten lassen?

derleguan

 "Die Nachfrage nach Wohnungen und Häuser ist schlicht und einfach vorhanden"

Die Nachfrage ist nicht schlicht und einfach vorhanden, sondern weil unser kapitalistisches Wirtschaftssystem es zulässt, dass die reiche Leute immer reicher werden und im Moment nicht mehr wissen wie sie ihr Geld "retten" sollen, außerhalb einer Geldanlage in Aktien oder eben Immobilien.

Helmut Wimmer

Zu "Diese reichen Leute investierten das Geld entweder in Aktien = aufgeblasene Börse, oder in Immobilien was die Preise für Häuser und damit auch Mieten in die Höhe schnellen lies. Deshalb fehlt nun der bezahlbare Wohnraum. Oder haben sie von einer Bevölkerungsexplosion in Deutschland gehört?"

Angebot und Nachfrage regeln den Preis. Wenn reiche Leute in Immobilien investieren, lässt dies nicht die Mieten in die Höhe schnellen. Das ist ein Trugschluss. Die Nachfrage nach Wohnungen und Häuser ist schlicht und einfach vorhanden; auch ohne Bevölkerungsexplosion!

derleguan

In erster Linie muss die soziale Ungleichheit bekämpft werden, wenn die sich vertiefende Kluft zwischen Arm und Reich nicht weiter vergrößert werden soll. Genau diese bildet den materiellen Nährboden für Rechtspopulismus, Rassismus und Nationalismus. Das beste Mittel gegen den Rechtspopulismus war und ist eine gute Sozialpolitik, die dafür sorgt, dass niemand Angst vor Arbeitslosigkeit, Armut und bezahlbaren Wohnraum haben muss. Ich meine hiermit nicht den Ausbau des Wohlfahrtsstaates, sondern zum Beispiel bezahlbare Wohnungen. Europa wurde durch die EZB in letzten Jahren geradezu mit Geld überschwemmt, ca. 60Mrd. € jeden Monat. Das Geld landete auch am Schluss nicht bei den Ottonormalverbrauchern oder gar Harz IV Empfängern, sondern bei denen die sowieso schon Geld im Überfluss besitzen. Diese reichen Leute investierten das Geld entweder in Aktien = aufgeblasene Börse, oder in Immobilien was die Preise für Häuser und damit auch Mieten in die Höhe schnellen lies. Deshalb fehlt nun der bezahlbare Wohnraum. Oder haben sie von einer Bevölkerungsexplosion in Deutschland gehört?

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