Lesermeinung

Zum Leserbrief von Friedrich Wagenblast vom 2. Mai:

Eigentlich hätte ich mit meiner Zeit etwas Besseres anfangen können, aber ich habe mir geschworen nicht mehr zu schweigen, wenn Menschen beschimpft und verunglimpft werden. Friedrich Wagenblast behauptet kein Rassist zu sein. Auf jeden Fall zeugen seine Ausführung von Unkenntnis. Diese „Horden von überwiegend jungen Männern“ dringen auf WLan, weil das die einzige Möglichkeit ist, mit ihren Familienangehörigen in ihren Heimatländern Kontakt zu halten. Es flüchten hauptsächlich junge Männer, die von ihren Familien weggeschickt wurden, weil u.a. die Taliban in die Dörfer einfallen, die Söhne im jungen Erwachsenenalter entführen und sie zu Kämpfern und Mördern machen. Was würden wir tun, wenn unsere Söhne vor diesem Schicksal bedroht wären? Ich weiß nicht woher Friedrich Wagenblast seine romantischen Vorstellung von dem „friedlichen Miteinander“ der Flüchtlinge nach dem Zweiten Weltkrieg her hat, das „nicht durch aggressiven Verhalten und /oder Kriminalität“ geprägt war. Mein Vater wurde im Alter von 11 Jahren mit seiner Mutter und 9 Geschwistern aus der heutigen Tschechei ausgewiesen. Sie landeten in heruntergekommenen Baracken im ehemaligen Zwangsarbeiter-Lager in Nürtingen auf der anderen Seite vom Neckar. Die Jugendlichen vom Lager ließen keine Gelegenheit aus, sich mit den Jugendlichen aus der Stadt zu prügeln und umgekehrt genauso. Die Vertriebenen wurden verbal beschimpft, in der Schule und am Arbeitsplatz benachteiligt. Vor lauter Hunger stahl er Essen. Als er meine Mutter heiraten wollte, gab es ein Eklat: sie war als Schwäbin evangelisch und er als Vertriebener katholisch. Ein Zeichen der Ausgrenzung sind heute noch viele kleine Teilorte. Jede württembergische Gemeinde musste in den 1950-er Jahren Bauland für die Vertriebenen bereitstellen. Zum Beispiel wies Trochtelfingen etwa 1 Kilometer entfernt die Röhrbachsiedlung aus - die Gemeinde Kerkingen das sumpfige Gebiet Edelmühle.

Ich bin sehr für ein friedliches Miteinander. Aber damals wie heute erleben die Flüchtlinge allzu oft Ausgrenzung, Vorurteile. Vorverteilungen und Missgunst. Geschichte wiederholt sich - leider.

© Schwäbische Post 10.05.2020 19:25
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Hallo Frau Gottstein,

Sie erklären die Fluchtursache von jungen Asylanten durch den Einfall der Tailban, die junge Männer entführen, zu Kämpfern machen wollen und sie deshalb, mit tausenden Euro in der Tasche, flüchten müssen? Diese jungen Asylanten kommen vorwiegend aus den Mahgreb-Staaten, Afrika, etc..  Die Taliban, Frau Gottstein, sind aber in Afghanistan aktiv!  Deshalb werden Asylanträge aus diesem Fluchtland auch meistens anerkannt. Für mich sind die "minderjährigen", jungen, männlichen Asylanten aus den Mahgreb-Staaten Wirtschaftsflüchtlinge, die Ansprüche stellen, eine Rechtsanwalts-Lobby haben, bestens angezogen sind, vor dem Aalener Bahnhof ihre Drogengeschäfte abwickeln, höchst kriminell. Die Straftaten dieser Gruppen sind immens.

Der Vergleich mit den Flüchtlingen aus dem 2. Weltkrieg ist nicht angebracht. Warum mußten sie flüchten? Auch meine Eltern wurden aus der Tschechei vertrieben. Warum? Es waren Deutsche, die, nach dem Krieg das Land verlassen mußten, mit allem Hab und Gut. Sie wurden in einen Zug gesetzt, mußten in Aalen, in der neuen Heimat, aussteigen. Ihnen wurde eine 1-Zi-Wo zugewiesen, damit waren sie zufrieden. Meine Großmutter bettelte bei den Bauern, holte Beeren aus dem Wald, meine Mutter machte (der deutschen Sprache mächtig) eine Büroausbildung, fand Arbeit. Mein Vater, der aus der russischen Kriegsgefangenschaft kam, fand (der deutschen Sprache mächtig), Arbeit. Meine Großmutter hat lieber um Eier und Mehl gebettelt, als zu stehlen! Vielleicht hätte es für Ihren Großvater auch eine andere Möglichkeit gegeben! So ich weiß verstanden sie sich mit den Einheimischen gut, denn: Sie kamen ihnen entgegen, halfen wo sie konnten, packten mit an. Meine Eltern wurden als Vertriebene NICHT von den Einheimischen beschimpft! Und ich gebe Herrn Wagenblast absolut recht: Daß das Verhalten der damaligen, wirklich vertriebenen, deutschen Flüchtlinge nicht von "aggressivem Verhalten und/oder Kriminalität", geprägt war, im Gegensatz zum Verhalten vieler Asylanten in unserem Land. Sie sind führend in der Kriminalitätsstatistik mit Diebstählen, Raub, Vergewaltigungen, Drogendelikten.

Ich hoffe, Frau Gottstein, daß Sie mit dem Satz zu ihrem Großvater "Vor lauter Hunger stahl er Essen" nicht die Diebstähle und Raubdelikte von Asylanten rechtfertigen wollen? Sie bekommen bei uns Essen und Kleidung.

Warum mußte damals jede Gemeinde Bauland für die Vertriebenen zur Verfügung stellen? Auch meine Großeltern hatten ein Haus in der Tschechei, das sie verlassen mußten, weil Hitler den Krieg verlor. Das Bauland war ein Ausgleich dafür, eine Entschädigung unseres Staates, damit sich Deutsche, vertrieben, hier in Deutschland ein neues Leben aufbauen konnten. Ja, deshalb konnten meine Eltern bauen, beide arbeiteten, sparten und erschufen sich dadurch hier eine neue Existenz. Wären Sie denn nun dafür, Frau Gottstein, daß Asylanten nun auch kostenloser Baugrund gewährt werden sollte?

Vertriebene mit jetzigen Flüchtlingen und der jetzigen Flüchtlingeswelle zu vergleichen ist grotesk!

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