Lesermeinung

Sinnfragen müssen erlaubt sein

Zu Coronamaßnahmen:

Eine Freundin von mir arbeitet mit viel Leidenschaft und Engagement in einem Hospiz. Sie hat mir erzählt, dass auch dort keine Besuche mehr empfangen werden dürfen. Die Patienten, die dort hinkommen, bleiben im Durchschnitt noch zirka drei Wochen am Leben. Ohne dass ihre Familien sie jetzt in diesen Zeiten auf den wissentlich letzten Tagen/Wochen begleiten dürfen. Ich denke, jeder weiß, dass dort allzu oft auch viel zu junge Menschen sind, oftmals Menschen, die kleine Kinder zurücklassen. Wenn man sich dann über diesen Widerspruch Gedanken macht, oder sich generell über die widersprüchlichen Botschaften des RKI oder der Regierung irritiert zeigt und hinterfragt, auf welcher Basis die Zahlen entstehen, die solche Maßnahmen anscheinend rechtfertigen, wird man allzu schnell als Verschwörungstheoretiker abgestempelt.

Die Frage über die Sinnhaftigkeit der Schutzmasken, oder warum die Risikogruppe nun mit frisch gelegten Locken zum Gottesdienst gehen kann, die Kinder aber nach wie vor keine Kontakte zu Spielgefährten haben dürfen, sollte sich jeder einmal stellen. Gerade in einem Land mit unserer Geschichte sollte das Hinterfragen ein Bedürfnis für uns alle sein.

Und nein, ich bin deshalb keine Verschwörungstheoretikerin, die Menschenleben opfern will für Freiheit und Wirtschaftswachstum.

© Schwäbische Post 12.05.2020 20:35
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Kommentare

Harald Seiz

Ich finde es völlig in Ordnung, wenn Sie die Anordnungen der Regierung hinterfragen. Dass Sie Widersprüchlichkeiten darin sehen, macht Sie nicht zur Verschwörungstheoretikerin. Mit etwas gutem Willen müsste es auch möglich sein, Möglichkeiten zu schaffen, damit sterbende Menschen nicht vereinsamt ihren letzte Weg gehen müssen. Generell finde ich aber die verhängten Beschränkungen für sinnvoll. Auch die Maskenpflicht und die Einschränkung der Kontakte von Kindern untereinander.

Dass manche Einschränkungen viel zu früh gelockert wurden, ist falsch und zeigt, wer im Land das Sagen hat. Das sind die Konzerne, denen Bilanzen wichtiger sind als Menschenleben. Seit langem schon kauft sich der Geldadel durch Parteispenden und lukrative Gefälligkeiten für Regierungsbeamte und Parlamentarier die Politik. Auch die Heinsberg-Studie wurde aus der Wirtschaft finanziert und medial gepuscht. Wen wundert es, dass sie zum gewünschten Fazit kam: es darf gelockert werden.

Bald schon dürfen Bundesligaspieler sich wieder ihren keuchenden Atem gegenseitig ins Gesicht sprühen. Auch das ist das Ergebnis erfolgreicher Lobbyarbeit der Fußball-Konzerne. Der Mangel an Rückgrat, Verstand und Anstand unseres politischen Führungspersonals wird sich bitter rächen. Um es mit den leicht abgewandelten Worten von Sepp Herberger zu sagen: nach der Welle ist vor der Welle.

Auch Ihrer Kritik am Robert-Koch-Institut stimme ich voll zu. Die Kommunikation des RKI ist miserabel und die ständige Änderung der Berechnung der Reproduktionszahl schürt Misstrauen. Auch bei mir schrillen die Alarmglocken, wenn das RKI sein statistisches Verfahren zur Berechnung der Reproduktionszahl nun zum wiederholten Mal "glättet". Diesmal erfolgte die "Glättung", damit die hohe Fallzahl in Schlachtereien den R-Wert nicht in die Höhe treibt. Ja was denn, sind die Schlachtereien neuerdings exterritoriales Gebiet? Und wenn dann das RKI auch noch verlautet, diese "Glättung" erfolge, damit sich die Bevökerung wegen des hohen R-Wertes nicht beunruhigt, kann ich mir nur noch an den Kopf fassen. Da könnte der RKI-Chef auch gleich zum Fenster hinausschreien, dass er leider die Zahlen frisieren musste, weil sonst die beschlossenen Lockerungen eigentlich schon wieder zurückgenommen werden müssten.

Das Sars-Cov-2 Virus lassen diese statistischen Tricksereien und das Versagen unseres politischen Personals kalt. Spätestens im Herbst werden wir alle die Zeche für die vorzeitigen und verantwortungslosen Lockerungen bezahlen.

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