Fußball-Bundesliga

Eingespielte Fangesänge sollen die Gespenster verjagen

TV-Sender reagieren mit veränderten Bildausschnitten und akustischen Gimmicks auf Geisterspiele. Wie die Fans gucken können.
  • Sollen die Profis moralisch unterstützen und Geisteratmosphäre lockern: Pappkameraden im Gladbacher Stadion. Foto: Marius Becker/dpa
Ob tatsächlich ein Milliardenpublikum weltweit den Neustart der Fußball-Bundesliga und der zweiten Liga an diesem Wochenende verfolgen wird, wie FC-Bayern-Chef Karl-Heinz Rummenigge mutmaßt, sei dahingestellt. Spannend ist die Frage, wie die Geisterspiele ohne Publikum im Fernsehen rüberkommen, aber allemal.

Wird es weniger Fouls geben als bisher? Oder beißen, kratzen, spucken die Profis wie jeher? Sitzt der Mund-Nasen-Schutz bei den Reservisten auf der Bank oder bei den Trainern richtig? Wie werden Tore in Zeiten der Kontaktverbote bejubelt? Lassen sich die Profis kreative Aktionen einfallen?

Die DFL-Tochterfirma Sportcast wird wie gewohnt die weltweiten Fernsehbilder produzieren – aber mit neuen Perspektiven. So soll der Bildausschnitt so gewählt werden, dass die leeren Ränge als „Stimmungskiller“ möglichst wenig zu sehen sind. Die symbolischen „Pappkameraden“, die beispielsweise Anhänger von Borussia Mönchengladbach aufgestellt haben, könnten das triste Bild auflockern. Zudem wird es mehr Großeinstellungen geben mit Reaktionen von Spielern und Trainern.

Der Pay-TV-Sender Sky stellt in seiner bezahlpflichtigen Sparte den Fokus scharf und überträgt ab sofort in der Regel zwei Partien pro Spieltag in Ultra HD. Vor allem aber rüstet Sky akustisch auf. Es gibt eine neue, frei wählbare Audio-Option. In der Grundeinstellung „Original“ hören die Zuschauer wie bisher den Kommentator und das Geschehen im Stadion. Weil es dort aufgrund der fehlenden Zuschauer sehr ruhig sein wird, wird der Fokus auf den Rufen von Spielern und Trainern sowie den Geräuschen der Ballaktionen liegen. Als frei wählbare Alternative für Kunden mit entsprechender Ausstattung ist eine zusätzliche Tonspur wählbar, auf der passend zum aktuellen Spielgeschehen voraufgezeichnete Fangesänge der beteiligten Teams und passende Publikumsreaktionen eingespielt werden.

Beim Revierderby zwischen Borussia Mönchengladbach und Schalke 04 will Sky auf einem Kanal außer dem Kommentator auch je einen Fan beider Teams zu Wort kommen lassen.

Auch Fußballfans ohne Pay-TV schauen nicht in die Röhre. Im frei empfangbaren Sky Sport News HD sind an den ersten beiden Wochenenden nach der Corona-Pause die Bundesliga-Konferenz am Samstagnachmittag sowie die Zweitliga-Konferenz am Sonntag zu sehen.

Für die Fans stellt sich die Frage, wo und wie sie die Spiele verfolgen können. In Baden-Württemberg und Bayern sind die Vereinsheime, Kneipen und Sky-Bars noch bis zum 17. Mai geschlossen. Möglich ist ein „Mini-Public-Viewing“ zu Hause. Die Fünf-Personen-Grenze bei Treffen mit der erweiterten Familie in privaten Räumen gilt in Baden-Württemberg nicht mehr. Darüber hinaus dürfen auch Angehörige eines weiteren Haushalts zu Besuch kommen. Ähnlich ist die Regelung in Bayern.

Ganz klassisch: Radiokonferenz

Wem zusammenfassende Berichte genügen, braucht sich nicht groß umzustellen. Die ARD-Sportschau berichtet am Samstag ab 18.30 Uhr über vier Zweitliga- und fünf Bundesliga-Partien. Das ZDF-Sportstudio (ab 23 Uhr) legt seinen Schwerpunkt auf das Samstagabendspiel Eintracht Frankfurt – Borussia Mönchengladbach und hat Eintracht-Sportvorstand Fredi Bobic zu Gast. In den Dritten Programme sind ab 21.45 Uhr die Höhepunkte der Sonntagsspiele zu sehen. Zudem nehmen SWR und Bayerischer Rundfunk ihre Magazinsendungen (Sport im Dritten, Blickpunkt Sport) wieder auf.

Und dann ist da noch die legendäre Konferenzschaltung am Samstagnachmittag in den ARD-Radiosendern – ganz ohne Gimmicks.
© Südwest Presse 15.05.2020 07:45
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