Knockout in der 95. Minute

Bittere 1:2-Niederlage beim SV Wehen-Wiesbaden. Die Auswärtsschwäche könnte dem Aufstiegsaspiranten noch zum Verhängnis werden.
  • Elfmeterschütze Philipp Tietz (leicht verdeckt) erzielt in der Nachspielzeit den Siegtreffer für Wehen-Wiesbaden. Er lässt VfB-Torwart Gregor Kobel keine Abwehrchance. Foto: Eibner-Pressefoto/ Robin Rudel/Pressefoto Rudel/POOL
Es dauerte eine gefühlte Ewigkeit, bis dieser Elfmeter ausgeführt werden konnte. Schiedsrichter Sascha Stegemann schaute sich auf einem Bildschirm außerhalb des Spielfeldes eine Szene an, die sich im Strafraum des VfB Stuttgart ereignet hatte. Und sah, wie VfB-Stürmer Hamadi Al Ghaddioui nach einem gegnerischen Kopfball den Ball mit dem Arm berührte. Der Schiedsrichter ließ sich Zeit, überlegte und entschied schließlich unter Zuhilfenahme des Videoschiedsrichters auf Elfmeter. Eine umstrittene Entscheidung. Es lief die 95. Minute.

Phillip Tietz lief an und verwandelte sicher zum 2:1 für den SV Wehen-Wiesbaden. Besonders bitter: Das Spiel wurde anschließend nicht mehr angepfiffen. Der VfB hatte verloren. Es war eine unglückliche wie unnötige Auswärtsniederlage beim Re-Start der 2. Fußball-Bundesliga für den Aufstiegsaspiranten.

„Verlierer des Spieltags“

Stürmer Mario Gomez war nach dem Spiel vor leeren Rängen in Wiesbaden und einer weiteren Auswärtsniederlage total bedient. „Wir sind total enttäuscht. In der ersten Halbzeit traten wir wie ein Spitzenteam auf, haben aber die Tore nicht gemacht. Wir könnten der Gewinner des Spieltags sein, jetzt sind wir der Verlierer“, sagte der Ex-Nationalspieler auf Sky.

Der VfB, bei dem der lange verletzte Innenverteidiger Marcin Kaminski sein Comeback feierte, begann überlegen. Der Favorit aus Stuttgart bestimmte die Partie, war aber in seinen Angriffsbemühungen zu harmlos. Die Hessen verteidigten leidenschaftlich und setzten mit guten Konteransätzen immer wieder Nadelstiche.

Die beste Chance für die Gäste hatte Mario Gomez schon nach vier Minuten. Er scheiterte an Wehens Keeper Heinz Lindner. SVWW-Torjäger Manuel Schäffler brachte Wiesbaden kurz nach der Pause nach einem sehenswertem Konter überraschend in Führung (50.). Der VfB tat sich in der Folge schwer. Das Abwehr-Bollwerk der Gastgeber stand bis zur 83. Minute, dann glich Nicolás González zum 1:1 aus. Die Stuttgarter wollten mehr. Sie drängten in der Schlussphase auf den Sieg, wurden dann aber in der Nachspielzeit vom Video-Assistenten ausgebremst.

Die Auswärtsschwäche könnte dem Aufstiegsaspiranten noch zum Verhängnis werden. Das Team von Trainer Pellegrino Matarazzo rutschte durch die späte Niederlage in der Zweitliga-Tabelle auf Rang drei hinter dem punktgleichen Hamburger SV ab und hat nun bereits sieben Zähler Rückstand auf Spitzenreiter Arminia Bielefeld. Wiesbaden liegt weiter auf Rang 16. Am kommenden Sonntag gastiert der VfB bei Holstein Kiel. Vier Tage später, am Donnerstag, 28. Mai, kommt der HSV zum Geisterspiel nach Stuttgart. (mit sid/dpa)
© Südwest Presse 18.05.2020 07:45
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