Hotelbesitzer befürchten die Pleite

Kein anderes EU-Land ist so stark vom Tourismus abhängig. Die Regierung hofft, bald wieder Gäste empfangen zu können.
Es sollte ein gutes Jahr werden: 2020 hofften die Griechen erstmals mehr als 35 Millionen ausländische Touristen begrüßen zu können. Es wäre der achte Reise-Rekord in Folge gewesen. Daraus wird nun nichts. Der Tourismus war im vergangenen Jahrzehnt der starke Wachstumsmotor, der Griechenland aus der Finanzkrise zog. 21 Prozent trägt er zum BIP bei, mehr als in jedem anderen EU-Land. Jeder fünfte Job hängt am Fremdenverkehr. Mit Abstand die meisten Touristen kommen aus Deutschland, 2018 waren es knapp 4,4 Millionen.

Jetzt geht in der erfolgsverwöhnten Branche die Angst um. Zwei von drei Hotelbesitzern sorgen sich, dass die Corona-Epidemie sie in die Pleite treiben wird. Fast jeder Fünfte hält es sogar für „sehr wahrscheinlich“, dass er Insolvenz anmelden muss. Schrittweise sollen in den nächsten Wochen die seit Mitte März geschlossenen Restaurants und Hotels wieder öffnen. Griechenland kann damit punkten, dass es viel weniger Corona-Fälle als andere Mittelmeerländer hat. Premierminister Kyriakos hofft, dass sein Land von 1. Juli an wieder ausländische Urlauber empfangen kann – wenn bis dahin der Flugverkehr wieder aufgenommen wird. Einstweilen unterstützt der Staat die Hoteliers mit Kreditbürgschaften und zahlt den Beschäftigten Kurzarbeitergeld. Wirtschaftsminister Adonis Georgiadis hält die Saison 2020 „nicht für verloren“, mahnt aber zur Geduld: „Diese Krise ist wie ein Marathonlauf“. Yiannis Retsos, Präsident des Tourismusverbandes Sete, rechnet frühestens im September mit einer Rückkehr zur Normalität – die aber wegen Abstands- und Hygieneregeln eine andere sein werde. Gerd Höhler
© Südwest Presse 19.05.2020 07:45
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