Mislintat spricht von Skandal

Der Sportdirektor regt sich nach dem 1:2 beim SV Wehen über die Schiedsrichter auf.
Seinen Ärger über den „Skandal“ sprach Sven Mislinat nicht gleich als Erstes an. Als der Sportdirektor den Fehlstart des Zweitligisten VfB Stuttgart nach der Coronavirus-Pause bilanzierte, kritisierte er erst einmal die Mannschaft.

Dann aber schimpfte der 47-Jährige über die Schiedsrichter. Der Videobeweis, der in der Nachspielzeit zum 1:2 in Wiesbaden führte, sei in der „Art und Weise“ ein „Skandal“, wiederholte Mislintat mehrfach. Er fühlte sich im Aufstiegsrennen um einen Punkt betrogen und regte gar eine grundsätzliche Debatte über den Kölner Videokeller an.

Der Einsatz des Video Assistant Referee (VAR) mache das Spiel eben nicht gerechter. „Im Gegenteil“, behauptete Mislintat. „Es beeinflusst in einer Art und Weise, die meines Erachtens nicht mehr Sinn macht. Wir sind nicht in der Lage, das vernünftig einzusetzen, sondern es ist eine extreme Willkür im Einsatz des VAR.“

Mislintat wollte mit seiner Schiedsrichter-Schelte nicht von der Leistung des VfB ablenken, die einmal mehr nicht aufstiegsreif war. In der öffentlichen Wahrnehmung aber dürfte sie die im Vergleich dazu eher sachliche Kritik an der Leistung der VfB-Profis deutlich überlagern. Die Mannschaft habe nicht ihren „Job erledigt“, meinte Mislintat etwa. Er forderte mehr „Widerstandsfähigkeit“ und mehr „Persönlichkeit“ auf dem Platz.

Der Entscheidung, die Mislintat so aufregte, war am Sonntag eine Zweikampf-Szene zwischen Hamadi Al Ghaddioui und Wehens Paterson Chato vorausgegangen, die am Ende zum Handelfmeter führte. Der DFB reagierte auf die scharfe Kritik und nannte die Entscheidung „regeltechnisch in Ordnung“. Die Armhaltung von Al Ghaddioui sei als „unnatürlich einzuordnen. Wehen nutzte in der 97. Minute den Strafstoß zum Sieg.

Nicht konzentriert genug

Ganz unabhängig von der Schiedsrichter-Entscheidung führte der verpatzte Re-Start beim VfB aber zu jeder Menge Gesprächsbedarf. Am Montagmorgen sprach Trainer Pellegrino Matarazzo die Schwächen bei seiner Elf laut Mislintat „sehr hart“ und „eindeutig“ an. Einmal mehr machte der VfB zu wenig aus seiner spielerischen Überlegenheit. „Vielleicht waren wir nicht konzentriert genug, vielleicht auch mental unzufrieden“, hatte Matarazzo gesagt und gefordert: „Wir müssen zusammenwachsen.“ Dass der Zweitliga-Luxuskader auf dem Rasen zu wenig miteinander spricht, war auch Mislintat negativ aufgefallen. Ob die Führungsspieler in Kiel und bei dem folgenden Topspiel gegen den Hamburger SV lauter werden? dpa
© Südwest Presse 19.05.2020 07:45
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