Land am Rand

Die Tierliebe eines Königs

Am 20. Mai 1812 spielte das Schicksal dem König von Württemberg besonders übel mit. Friedrich I. hatte eine große Liebe – die Schimmelstute Helene. Doch an jenem Mittwoch war Schluss mit der hippophilen Beziehung. Das 37 Jahre alte Pferd lag tot im Stall!

Nun war guter Rat teuer unter den Höflingen. Der König war nicht nur gefürchtet als jähzornig und autorität, er war derart vernarrt in Helene, dass er jedem Untergebenen, der ihn das Ableben der Stute melden würde, den Tod angedroht haben soll. Ein schlauer Diener, heißt es in einer Anekdote, besann sich auf die List der Andeutung. Helene fresse nicht mehr, sie saufe nicht mehr, sie stehe auch gar nicht auf, teilte der Lakai mit. Der König reagierte erwartungsgemäß entsetzt: „Dann ist die Helene wohl gestorben!“ Der Diener konterte: „Das habt jetzt Ihr gesagt.“

Das besondere Verhältnis zwischen Monarch und Pferd ist verständlich, wenn man weiß, dass der adlige Reiter vier Zentner wog. Im Schwarzwald wurde Helene gefunden, die den König nicht nur tragen konnte, sie kniete auch wie ein Kamel nieder, damit der hohe Herr aufs hohe Ross kommen konnte.

An Helene erinnert im schönen Freudental, sinnigerweise am Stutenweg, ein Denkmal. Das tote Pferd war außerhalb des Dorfes mit militärischen Ehren beigesetzt worden.

Nachträglich macht sich auf dem Gedenkstein ein Spötter seine Gedanken zu der Friedrich-Helene-Liaison: „Oh, Schimmel, kommst nicht in den Himmel! Wird ein Frag‘ sein, kommt dein Herr drein?“

Hans Georg Frank
© Südwest Presse 19.05.2020 07:45
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