Milliarden für den Klimaschutz

Das Institut will 200 Milliarden Euro in nachhaltige Produkte investieren.
  • Die Zentrale der Deutschen Bank in Frankfurt. Foto: Frank Rumpenhorst/dpa
Deutsche Bank-Chef Christian Sewing hat ebenso wie Martin Zielke von der Commerzbank keinen Zweifel: Nach der Corona-Pandemie wird der Klimawandel noch stärker in den Fokus rücken. Beide Institute stellen sich darauf ein, die Deutsche Bank massiv. Bis zum Jahr 2025 soll das Volumen von Finanzierungen für den Klima-, Umweltschutz und soziale Belange sowie der Bestand von nachhaltigen Anlagen auf mindestens 200 Mrd. EUR steigen.

Umweltorganisationen hegen große Zweifel. Auf der ersten virtuellen Hauptversammlung der Deutschen Bank am Mittwoch werden der Dachverband der Kritischen Aktionäre und die Umweltorganisation Urgewald wegen Verfehlungen in der Klima- und Kohlepolitik auf Nicht-Entlastung des Vorstandes dringen.

Die zum Ziel gesetzten 200 Mrd. EUR umfassen Kredite und Anleihen, die bis 2025 platziert werden. Die Deutsche Bank will noch in diesem Jahr die erste eigene grüne Anleihe auflegen. Damit sollen der Ausbau erneuerbarer Energie und Maßnahmen zur Energieeffizienz finanziert werden. Zum anderen betrifft die Summe nachhaltige Anlageprodukte in den Depots und dem für Kunden verwalteten Vermögen. Seit Jahresanfang habe man, so die Bank, für Kunden insgesamt 22 grüne Anleihen, Sozial- und Nachhaltigkeitsanleihen sowie an Nachhaltigkeitskriterien gebundene Anleihen im Volumen von fast 3,5 Mrd. EUR platziert.

Regine Richter von der Umweltorganisation Urgewald begrüßt zwar die Ankündigung. Aber sie hat nicht nur viele Fragen, sondern sieht weiter drastische Verstöße gegen den eigenen Anspruch der Bank: „Die Deutsche Bank zählt in Europa zu den größten Finanzierern klimaschädlicher Energien. Und sie ist weltweit der drittgrößte Geldgeber von Firmen, die in der Arktis Öl- und Gasvorkommen ausbeuten.“ Von 2016 bis 2019 habe sie sich mit 1,7 Mrd. EUR an der Finanzierung des Kohlenminen-Sektors beteiligt und sei damit siebtgrößter Geldgeber der Branche weltweit. Besonders empört ist man bei Urgewald, dass das Institut weiter den US-Öl-Multi Exxon Mobil unterstützt – 2019 mit einem Kredit von 132 Mio. Dollar und seit 2015 mit der Beteiligung an Anleihen im Volumen von 203 Mio. Dollar. Ende März habe die Deutsche Bank fast 700 Mio. Dollar (641 Mio. EUR) in Exxon-Aktien und -Anleihen investiert.

Ähnliche Versprechungen wie bei der Deutschen Bank gibt es auch bei der Commerzbank. Man wolle den Kunden helfen „grüner“ zu werden. Seit Jahresanfang sei man Partner der weltweiten „Climate Bonds Initiative“, die 100 Mrd. Dollar (92 Mrd. EUR) für Klimaschutzlösungen aufbringen will. Rolf Obertreis
© Südwest Presse 19.05.2020 07:45
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