Faul bis in den Tod

  • Hat es evolutionär nicht gepackt: Skelett eines Riesenfaultiers im Smithsonian National Museum of Natural History in Washington. Foto: Gretel Johnston/dpa
Wer's mit der Faulheit übertreibt, wird mitunter bestraft. Nein, es geht hier nicht um Ideologie und Politik, nicht um eine neue Drehung in der Debatte um Paul Lafargues „Recht auf Faulheit“, das der Franzose einst der Arbeiterbewegung entgegenschleuderte; es geht um ein Ereignis in der Natur.

Dort gibt es bekanntlich das Faultier; eine Säugetierart, die so heißt, weil sie so lebt. Ihre Vertreter halten sich in den Bäumen des lateinamerikanischen Regenwaldes auf und machen überwiegend – nichts. Von den Genen herunter gedimmt auf fast Null. Der Rest ist Fressen und alle acht Tage (!) mal Blase und Darm entleeren. Die einen – die Zwei-Finger-Faultiere – lassen es einfach von den Bäumen fallen; die anderen – mit drei Fingern – steigen extra herab und verrichten ihr Geschäft am Boden. Eine enorme Leistung mit erheblichem Risiko.

Nun haben Wissenschaftler in Ecuador die Knochen von längst ausgestorbenen Riesenfaultieren ausgegraben. Diese muss man sich als Drei-Meter-Hünen vorstellen, denen schließlich Mensch und Klima den Garaus machten. Jene spezielle Gruppe in Ecuador war indessen so faul, dass sie das Wasserloch, in dem sie sich gerne aufhielt, auch als Kloake nutzte und sich damit selbst vergiftete. Das war der Eigenbeitrag zum Exitus. Ein Landgang zur rechten Zeit hätte wohl geholfen. Manchmal geht's halt nicht ohne Aufwand, einen minimalen wenigstens. Günther Marx
© Südwest Presse 22.05.2020 07:45
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