Schwieriger Weg zurück ins Büro

Wer darf wann wieder an den Arbeitsplatz? Die Rückkehr der Mitarbeiter stellt Betriebe vor Herausforderungen.
Was zuvor als unmöglich galt, wurde einfach gemacht. Zu Beginn der Corona-Krise war alles ganz schnell gegangen: Wer konnte, schickte als Arbeitgeber seine Mitarbeiter nach Hause. Homeoffice wurde zum Alltag für Millionen. So erstaunlich schnell wie der Rückzug ins Homeoffice zu Krisenbeginn klappte, so kompliziert und unterschiedlich gestaltet sich nun die Rückkehr. Angesichts der Lockerungen stellt sich nun die Frage: Wann geht es eigentlich zurück ins Büro? Und vor allem, wie?

Die Tech-Giganten Apple und Google preschten vor und kündigten an, bis zum Ende des Jahres Homeoffice zu ermöglichen, Twitter sogar „für immer“. In vielen deutschen Betrieben tüfteln Chefs und Corona-Taskforces dagegen zurzeit noch an Rückkehrplänen, messen Tischabstände aus und teilen ihre Angestellten in Schichten und Gruppen ein.

Während Anfang April deutlich mehr als ein Viertel der Arbeitnehmer im Homeoffice gearbeitet hat, waren es Mitte Mai noch knapp 9 Prozent, die angaben, komplett im Homeoffice zu arbeiten, wie aus der Corona-Studie der Mannheimer Uni hervorgeht.

Der weit auseinander klaffende Umgang mit der Rückkehr kann an der Aufgabe der Arbeitnehmer liegen, aber auch am Führungsstil des Chefs. „Die Unternehmenskultur spielt eine große Rolle“, meint Thomas Clauß, der an der Universität Witten-Herdecke Familienunternehmen erforscht. Corona stellt Arbeitgeber jetzt vor neue Herausforderungen. Wenn sie darüber bestimmen, wer wann wo arbeitet, darf nicht nur das ökonomische Interesse zählen. So erinnert die Gewerkschaft Verdi an die arbeitsvertragliche Schutz- und Fürsorgepflicht, die ein Betrieb für seine Mitarbeiter hat – und die wiege im Fall einer Pandemie deutlich schwerer: Wer mehr Kontakte anordnet, erhöht das Risiko der Infektionen.

Konstruktive Diskussion

„Die Leute haben sich entwöhnt von dem, womit sie sich arrangiert hatten“, erklärt Hannah Schade vom Leibniz-Institut für Arbeitsforschung an der TU Dortmund. „Wenn Menschen sich an Freiheiten gewöhnt haben, wird sich Widerstand regen, wenn ihnen diese wieder genommen werden.“ So sei es wichtig, die Vor- und Nachteile von Homeoffice konstruktiv zu diskutieren. Man müsse mit Ablehnung rechnen, „wenn Führungskräfte versuchen, starre Regeln einfach so weiterzuführen, ohne dass es dafür eine Notwendigkeit gibt“, erklärt Schade. dpa
© Südwest Presse 22.05.2020 07:45
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